Segelyacht vor der schottischen Küste durch RNLI geborgen
Einen Hilferuf aus dem Firth of Clyde nimmt die RNLI ernst – auch wenn die Ursache am Ende so profan ist wie ein verhedderter Propeller.

Wie die freiwillige Besatzung der Station Tighnabruaich meldet, war eine 34-Fuß-Segelyacht vor Great Cumbrae manövrierunfähig: Der Propeller hatte sich verheddert, das Schiff drehte sich im Kreis. Die Retter schleppten die Yacht nach Largs Marina, wo der Schaden behoben werden kann.
Wenn der eigene Antrieb zur Falle wird
Ein fouled propeller – auf gut Deutsch ein verhedderter oder verstopfter Propeller – gehört zu den Pannen, die kein noch so ausgeklügeltes Wartungsprogramm vollständig verhindert. Eine treibende Leine, ein Stück Netz, ein Tampen vom Nachbarboot: Schon steht die Welle still, der Motor läuft ins Leere, und an Bord hilft nur noch eines – über Funk Hilfe holen, statt in der Strömung zu experimentieren. Wer versucht, im Hafenbecken mit eigener Kraft freizukommen, dreht oft nur weitere Leinen um die Welle.
Dabei ist Großbritannien für genau solche Fälle gut aufgestellt. Die RNLI besetzt ihre Stationen entlang der Küste mit Freiwilligen, die binnen Minuten ausrücken. Wer im Revier um Cumbrae und entlang der schottischen Westküste unterwegs ist, sollte das im Kopf behalten, bevor er sich auf eigene Faust ans Werk macht. Im konkreten Fall haben die Betroffenen das Richtige getan: Position halten, Mayday-Routine laufen lassen, auf die Profis warten. Vor der Cumbrae-Insel, in mitunter kräftigem Gezeitenstrom ist kein Revier für Improvisation.
Was wirklich hilft: Bewährtes an Deck und im Gatt
Wer wie ich den Winter im Wasser verbringt, kennt das Spiel. Auf MANATEE liegt unten im Gatt ein zweiter Satz Fangleinen, eine kräftige Schere und der alte Bootshaken mit stumpfem Haken – keine Hightech, kein Schnickschnack, sondern solide Handwerkerware, die im Ernstfall tatsächlich funktioniert. Vor jedem Törn nach Schottland oder in die Hebriden gehört ohnehin der Blick aufs Ruderblatt und den Propeller: Taucherbrille, flutbarer Haken, ein Stück Draht, um freizuschneiden, was sich nicht ziehen lässt. Eine Viertelstunde mit der Brille unter dem Heck erspart manchmal die ganze Diskussion mit der Funkstelle.
Die Lehre aus dem Vorfall ist uralt und doch jedes Mal dieselbe: Respekt vor dem, was im Wasser treibt. Patina am Rumpf ist schön und gut – ein verhedderter Propeller aber gehört aufpützt, geprüft und im Zweifel ehrlich verholt, statt mit Bordmitteln halbherzig dran herumzufummeln. Wer den Notruf scheut, weil er die Sache selbst in den Griff bekommen will, lernt spätestens bei der dritten Drehung im Kreis, dass Funkdisziplin keine Schande ist.