Neuer Propeller am Langkieler: Was sich unter Segeln ändert
Ein feststehender Festpropeller kann den Widerstand unter Segeln deutlich erhöhen. Ein Drehflügelpropeller reduziert ihn gegenüber einem arretierten Festpropeller um etwa 90 Prozent.

Je nach Rumpfform sind dadurch unter Segeln 0,5 bis 1,0 Knoten mehr Fahrt möglich. Bei einem schweren Langkieler liegt der tatsächliche Gewinn oft niedriger als bei einem leichten Kurzkieler. Die Größenordnung bleibt trotzdem relevant.
Der Propellerwechsel an einer klassischen Fahrtenyacht ist aber kein einfaches Tauschgeschäft. Bei einem Langkieler sitzen Welle, Propeller, Totholz und Ruderblatt häufig in einem engen Brunnenausschnitt. Die verfügbare Länge ist begrenzt. Ein Propeller, der auf dem Papier passt, kann mit ausgeklappten Flügeln am Ruder oder am Totholz anschlagen. Das ist kein Schönheitsfehler. Es ist ein Montageproblem mit möglichem Folgeschaden.
Die Nachrüstung eines Faltpropellers oder Drehflügelpropellers lohnt sich deshalb nur, wenn zwei Fragen sauber beantwortet sind: Wie viel Widerstand verschwindet tatsächlich unter Segeln, und welche Eigenschaften verlieren wir bei Rückwärtsfahrt und beim Aufstoppen?
Warum der Festpropeller unter Segeln bremst
Ein Festpropeller bleibt stehen, wenn der Motor nicht läuft. Die Welle wird bei vielen klassischen Yachten durch eine Getriebesperre oder eine mechanische Arretierung blockiert. Der Propeller steht dann quer zur Strömung. Seine Flügel wirken wie kleine Bremsflächen.
Bei einem Langkieler fällt dieser Effekt besonders ins Gewicht. Das Unterwasserschiff ist ohnehin auf Kursstabilität, Schutz der Welle und ruhiges Seeverhalten ausgelegt. Die Yacht läuft nicht so leichtfüßig wie ein moderner Kurzkieler. Jeder zusätzliche Widerstand macht sich daher früher bemerkbar.
Der Propeller sitzt zudem nicht frei unter dem Rumpf. Er liegt im Bereich von Totholz und Ruderblatt. Die Strömung ist dort bereits durch die Rumpfform beeinflusst. Der stehende Propeller stört diesen Bereich zusätzlich. Bei halbem Wind oder auf einem raumen Kurs kann das Boot noch ordentlich laufen. Auf einem Am-Wind-Kurs, bei schwachem Wind und in langen Wellen wird der Unterschied sichtbarer.
Fakt ist: Der Propeller ist unter Segeln nicht automatisch neutral, nur weil der Motor steht.
Ein Festpropeller hat unter Motor klare Vorteile. Er ist robust, konstruktiv einfach und liefert beim Rückwärtsfahren berechenbaren Schub. Beim Aufstoppen reagiert die Yacht meist so, wie der Eigner es über Jahre gelernt hat. Diese Sicherheit ist ein echter Wert. Sie muss gegen den zusätzlichen Widerstand unter Segeln abgewogen werden.
Die Messung zeigt den Unterschied allerdings nicht allein am Propeller. Entscheidend sind die gesamte Kombination aus Rumpf, Wellenanlage, Getriebe, Propellerdurchmesser, Steigung und Betriebszustand. Deshalb lässt sich ein pauschaler Geschwindigkeitsgewinn für jede klassische Segelyacht nicht seriös angeben.
Ein Festpropeller ist unter Motor unkompliziert. Unter Segeln ist er eine dauerhaft mitlaufende Bremse im falschen Moment.
Faltpropeller und Drehflügelpropeller: Zwei unterschiedliche Lösungen
Faltpropeller und Drehflügelpropeller verfolgen dasselbe Ziel: Die Propellerfläche soll unter Segeln möglichst wenig Widerstand erzeugen. Mechanisch arbeiten sie jedoch unterschiedlich.
Beim Faltpropeller klappen die Flügel beim Stillstand des Motors zusammen. Im Motorbetrieb werden sie durch die Zentrifugalkraft des drehenden Motors geöffnet. Das Prinzip ist einfach und bewährt. Unter Segeln liegen die Flügel eng aneinander und bieten der Strömung eine kleine Angriffsfläche.
Der Drehflügelpropeller, häufig auch als Verstellpropeller mit Segelstellung bezeichnet, dreht seine Flügel in eine widerstandsarme Position. Ab etwa 5 Knoten Fahrtgeschwindigkeit können sich die Flügel im Wasserstrom selbstständig parallel zur Strömung ausrichten. Der Propeller bleibt also nicht einfach in einer zufälligen Stellung stehen, sondern nimmt eine definierte Neutralstellung ein.
Diese Bauart ist für klassische Langkieler interessant, weil sie kompakt konstruiert werden kann. Modelle wie der Variprop sind vergleichsweise kurz und passen dadurch eher in den engen Bereich vor dem Ruderblatt. Das ersetzt aber keine Vermessung. Die Länge der abgeklappten oder ausgerichteten Flügel muss zur konkreten Wellenanlage passen.
Die wichtigsten Unterschiede im direkten Vergleich
| Parameter | Festpropeller | Faltpropeller | Drehflügelpropeller |
|---|---|---|---|
| Widerstand unter Segeln | Hoch, da die Flügel quer zur Strömung stehen können | Sehr gering bei vollständig zusammengeklappten Flügeln | Sehr gering in der Neutralstellung |
| Rückwärtsfahrt | Berechenbarer Schub | Konstruktionsbedingt geringerer Wirkungsgrad | In der Regel guter Rückwärtsschub |
| Aufstoppen | Direkt und vertraut | Kann mehr Drehzahl und Weg benötigen | Meist kontrollierter als beim Faltpropeller |
| Mechanik | Einfach und robust | Klappmechanik, regelmäßige Pflege nötig | Verstellmechanik, präzise Einstellung erforderlich |
| Platzbedarf | Vergleichsweise leicht zu bestimmen | Flügelbewegung muss im Brunnenausschnitt frei bleiben | Kurze Bauformen für enge Einbausituationen verfügbar |
| Motorsegeln | Abhängig von fester Steigung | Gute Wirkung bei korrekter Auslegung | Automatische Steigungsanpassung möglich |
| Wartungsaufwand | Gering | Gelenke und Flügel müssen kontrolliert werden | Gelenke, Lager und Einstellmechanik benötigen Aufmerksamkeit |
Der Faltpropeller ist die reduzierte Lösung. Er arbeitet dort überzeugend, wo unter Segeln möglichst wenig Widerstand gefragt ist und die Rückwärtsfahrt keine überragende Priorität besitzt. Der Drehflügelpropeller ist vielseitiger. Er bietet unter Motor eine gute Vorwärts- und Rückwärtsleistung und kann beim Motorsegeln durch seine automatische Steigungsanpassung effizienter arbeiten.
Das bedeutet nicht, dass der Drehflügelpropeller immer die bessere Wahl ist. Er besitzt mehr Mechanik. Mehr Mechanik muss sauber eingestellt und gewartet werden. Eine klassische Yacht verzeiht eine robuste, einfache Konstruktion oft besser als eine falsch dimensionierte Komfortlösung.
Der Brunnenausschnitt entscheidet über die Nachrüstung
Bei einem modernen Kurzkieler ist unter dem Rumpf meist ausreichend Raum vorhanden. Beim Langkieler sieht die Situation anders aus. Die Welle tritt häufig in einem schmalen Ausschnitt zwischen Totholz und Ruderblatt aus. Der Propellerdurchmesser ist begrenzt. Die Flügel müssen außerdem beim Falten oder Verstellen frei laufen.
Vor der Bestellung werden deshalb mehrere Maße benötigt:
- Durchmesser und Länge der vorhandenen Welle.
- Abstand zwischen Propeller und Stevenrohr.
- Abstand zum Totholz und zum Ruderblatt.
- Maximale zulässige Propellerlänge.
- Freiraum für vollständig geöffnete Faltflügel.
- Freiraum für die Neutralstellung eines Drehflügelpropellers.
- Drehrichtung der Welle.
- Motorleistung und Getriebeuntersetzung.
- Vorhandene Steigung und der bisherige Propellerdurchmesser.
Wir messen nicht nur den Abstand im statischen Zustand. Die Welle kann sich unter Last bewegen. Lager haben Spiel. Das Motorfundament kann elastisch nachgeben. Bei einer klassischen Fahrtenyacht kommt hinzu, dass die Wellenanlage nicht immer exakt mittig sitzt. Ein knapper Abstand auf dem Messblatt ist daher noch keine sichere Einbausituation.
Besonders kritisch ist der Bereich der abgeklappten Faltflügel. Der Propeller muss sich unter Motor vollständig öffnen können, ohne Totholz, Ruderblatt oder Rumpf zu berühren. Bei einem Drehflügelpropeller prüfen wir zusätzlich den Bewegungsbereich der Flügel und die definierte Segelstellung.
Die Frage lautet nicht: Passt der Propellerdurchmesser? Die Frage lautet: Kann sich jeder bewegliche Teil in jeder Betriebsstellung frei bewegen?
Welle und Getriebe nicht getrennt betrachten
Der neue Propeller muss zur vorhandenen Wellenanlage passen. Eine verschlissene Konusverbindung, eine eingelaufene Passfeder oder ein beschädigtes Gewinde gehören vor der Montage instand gesetzt. Ein neuer Propeller kann keine alte, unpräzise Verbindung reparieren.
Auch das Getriebe ist Teil der Auslegung. Der Propeller muss bei der vorgesehenen Motordrehzahl die richtige Last erzeugen. Ist die Steigung zu groß, erreicht der Motor seine Nenndrehzahl nicht. Ist sie zu klein, dreht der Motor zu leicht hoch und nutzt die vorhandene Leistung nicht sinnvoll. Beim Drehflügelpropeller ist die Einstellung besonders wichtig, weil die Steigung in Vorwärts- und Rückwärtsfahrt sowie beim Motorsegeln zusammenpassen muss.
Die Messung zeigt nach dem Einbau, ob die Auslegung stimmt: Motordrehzahl unter Last, Geschwindigkeit, Abgasverhalten und Verhalten beim Wechsel der Fahrtrichtung. Schwarzer Rauch, eine nicht erreichbare Nenndrehzahl oder ungewöhnlich hohe Vibrationen sind keine Charaktereigenschaften des neuen Propellers. Sie sind Hinweise auf eine falsche Auslegung oder einen Montagefehler.
Festpropeller gegen Faltpropeller: Der Gewinn unter Segeln
Der größte Vorteil des Faltpropellers liegt nicht in einer höheren Motorleistung. Er liegt im Wegfall des bremsenden Propellerblatts.
Bei geeigneter Rumpfform können 0,5 bis 1,0 Knoten Geschwindigkeitsgewinn unter Segeln möglich sein. Für Kurzkieler werden häufig 0,25 bis 0,75 Knoten genannt. Beim schweren Langkieler müssen wir vorsichtiger rechnen. Der Rumpf erzeugt selbst viel Widerstand. Die Yacht beschleunigt langsamer. Der Propeller ist nur ein Teil des gesamten Unterwasserschiffs.
Trotzdem kann der Gewinn bei einer klassischen Fahrtenyacht spürbar sein. Besonders bei leichtem Wind zählt jeder Widerstandsanteil. Wenn die Yacht zuvor mit festgesetztem Festpropeller sauber, aber zäh durch die Welle lief, kann ein Faltpropeller den Charakter des Bootes unter Segeln verändern. Die Beschleunigung wird nicht plötzlich sportlich. Das Boot reagiert aber früher auf kleine Böen und hält die Fahrt länger, wenn der Wind nachlässt.
Der Effekt zeigt sich nicht nur auf der Logge. Eine Yacht mit weniger Widerstand lässt sich bei schwachem Wind länger in Bewegung halten. Das reduziert die Notwendigkeit, früh den Motor zu starten. Auf langen Passagen summiert sich dieser Unterschied.
Wir sollten die Logge vor und nach dem Umbau nicht unkritisch vergleichen. Wind, Welle, Beladung, Bewuchs, Segelzustand und Kurs müssen möglichst vergleichbar sein. Eine einzelne Fahrt liefert eine Tendenz. Sie ersetzt keine systematische Messung.
Der Faltpropeller hat eine klare Schwäche
Beim Rückwärtsfahren und beim Aufstoppen sind Faltpropeller konstruktionsbedingt im Nachteil. Die Flügel müssen sich durch den Wasserstrom oder die Drehrichtung in eine Arbeitsposition bringen. Das dauert einen Moment. Der Schub setzt weniger unmittelbar ein als bei einem Festpropeller.
Das ist bei einem Langkieler besonders relevant. Eine klassische Yacht reagiert beim Rückwärtsfahren ohnehin träge und oft mit deutlichem Radeffekt. Der Propellerwechsel kann dieses Verhalten verstärken. Wer regelmäßig in engen Boxengassen manövriert, muss den neuen Ablauf üben. Nicht bei Windstille im freien Hafenbecken, sondern unter den Bedingungen, unter denen das Boot tatsächlich bewegt wird.
Der Faltpropeller ist deshalb eine gute Lösung für Eigner, die den Segelbetrieb priorisieren und mit einem etwas weniger direkten Rückwärtsgang leben können. Wer häufig unter Motor anlegt, aufstoppen muss oder mit viel Wind rückwärts in eine enge Box fährt, sollte den Drehflügelpropeller ernsthaft vergleichen.
Drehflügelpropeller am Langkieler: mehr Kontrolle, mehr Mechanik
Der Drehflügelpropeller verbindet den geringen Widerstand unter Segeln mit einem brauchbaren Rückwärtsschub. Seine Flügel verändern den Anstellwinkel und können dadurch in beiden Fahrtrichtungen wirksam arbeiten. Die automatische Steigungsanpassung bestimmter Modelle kann beim Motorsegeln außerdem den Dieselverbrauch um etwa 10 bis 15 Prozent senken.
Auch hier gilt: Das ist kein garantiertes Ergebnis für jedes Boot. Der Verbrauch hängt von Rumpfgeschwindigkeit, Beladung, Bewuchs, Motordrehzahl, Seegang und der konkreten Propellereinstellung ab. Ein Langkieler wird nicht allein durch einen neuen Propeller zum sparsamen Motorboot.
Die Stärke liegt in der Anpassung an wechselnde Lasten. Beim Motorsegeln arbeitet der Propeller in einer anderen Situation als beim reinen Motorbetrieb. Ein automatisch verstellender Propeller kann darauf besser reagieren als ein starrer Propeller mit fester Steigung.
Die Bedienung verlangt jedoch Disziplin. Beim Variprop soll der Schaltvorgang zwischen Vorwärts- und Rückwärtsfahrt bei maximal 1200 Umdrehungen pro Minute erfolgen. Das schont die Mechanik und verhindert harte Lastwechsel. Wir nehmen vor dem Umschalten Gas weg, lassen die Welle ausdrehen und legen den neuen Gang kontrolliert ein.
Das ist kein komplizierter Ablauf. Aber er muss zur Gewohnheit werden. Ein Drehflügelpropeller ist kein Bauteil, das Bedienungsfehler durch seine Mechanik ausgleicht.
Der bessere Propeller ist nicht der mit dem höchsten Prospektwert. Es ist der, der in den Brunnenausschnitt passt, zur Welle passt und vom Eigner korrekt bedient wird.
Die Montage beginnt vor dem Krantermin
Der eigentliche Propellerwechsel ist meist nicht der schwierigste Teil. Die Vorbereitung entscheidet, ob aus einem überschaubaren Refit eine längere Baustelle wird.
Vor dem Krantermin sollten wir die vorhandene Anlage vollständig aufnehmen. Dazu gehören Fotos vom Propeller, von der Welle, vom Wellenbock oder Totholz und vom Ruderblatt. Die Maße werden nicht aus alten Unterlagen übernommen, wenn sich die Wellenanlage im Laufe der Jahre verändert haben kann.
Bei einer gebrauchten klassischen Yacht sind mehrere Fehlerbilder üblich:
1. Die Welle ist eingelaufen.
Der alte Propeller saß möglicherweise jahrelang auf derselben Position. Beim Abziehen werden Riefen oder Korrosion sichtbar. Ein neuer Propeller sollte nicht auf einer beschädigten Konusfläche montiert werden.
2. Die Wellenlagerung hat Spiel.
Schon geringes Spiel verändert die Fluchtung und kann Vibrationen verursachen. Der neue Propeller wird dann fälschlich als Ursache verdächtigt.
3. Der Brunnenausschnitt ist asymmetrisch.
Totholz und Ruderblatt können auf beiden Seiten unterschiedlich viel Platz lassen. Eine Messung an nur einer Stelle reicht nicht.
4. Die Propellerlänge wurde unterschätzt.
Bei einem Faltpropeller ist nicht nur der Durchmesser entscheidend. Die abgeklappten Flügel benötigen ihren eigenen Bewegungsraum.
5. Die Getriebedaten fehlen.
Ohne Motorleistung, Nenndrehzahl und Untersetzung bleibt die Auswahl unvollständig. Eine Propellerempfehlung allein nach dem Durchmesser ist nicht belastbar.
Nach der Montage prüfen wir den Freilauf von Hand. Die Welle wird langsam gedreht. Die Flügel werden in alle vorgesehenen Stellungen gebracht. Nichts darf streifen. Danach folgt der Probelauf zunächst im Leerlauf und anschließend unter Last.
Vibrationen werden nicht einfach hingenommen. Ein leicht rauer Lauf kann auf eine falsche Steigung, eine beschädigte Welle, eine schlechte Fluchtung oder ein Problem an der Falt- beziehungsweise Verstellmechanik hinweisen. Die Ursache muss gefunden werden, bevor die Yacht wieder auf längere Fahrt geht.
Was sich im Alltag an Bord ändert
Der Unterschied unter Segeln ist der erste Eindruck. Der zweite kommt beim Manövrieren.
Mit einem Faltpropeller kann der Motor beim Ein- und Auskuppeln anders reagieren als zuvor. Die Flügel brauchen Zeit, um sich zu öffnen. Wer unmittelbar nach dem Einlegen des Gangs mit voller Leistung arbeitet, belastet die Mechanik unnötig und erhält nicht zwingend sofort den erwarteten Schub.
Beim Drehflügelpropeller ist die Reaktion meist direkter. Dennoch bleibt die Langkieler-Geometrie unverändert. Der Propeller kann das Rückwärtsverhalten verbessern, aber er beseitigt weder den Radeffekt noch die Trägheit des langen Kiels.
Wir sollten die ersten Manöver mit ausreichend Raum durchführen und uns an drei Punkte herantasten:
- Wie schnell baut sich der Schub beim Einlegen des Vorwärtsgangs auf?
- Wie reagiert die Yacht beim Wechsel auf Rückwärtsfahrt?
- Wie stark verändert sich der Radeffekt bei niedriger und mittlerer Drehzahl?
Die Antworten gehören ins Bordbuch. Nicht als Theorie, sondern als konkrete Referenz für eine Situation, in der wenig Zeit zum Nachdenken bleibt.
Unter Segeln bleibt die Welle je nach System in einer bestimmten Stellung oder wird durch den Propeller in die Segelstellung gebracht. Eine Wellenbremse oder Getriebesperre muss zur Anlage passen. Einfach die Welle zu blockieren, ohne die Vorgaben von Getriebe und Wellenanlage zu kennen, ist keine saubere Lösung.
Lohnt sich die Nachrüstung auf einer klassischen Fahrtenyacht?
Die Antwort hängt vom Einsatzprofil ab.
Für eine schwere klassische Fahrtenyacht, die überwiegend auf längeren Segelstrecken läuft, ist der geringe Widerstand ein überzeugendes Argument. Der Geschwindigkeitsgewinn wird nicht bei jeder Windstärke gleich ausfallen. Bei leichtem Wind und auf langen Kursen kann er dennoch den Unterschied zwischen sauberem Weitersegeln und frühem Motorbetrieb ausmachen.
Für eine Yacht, die häufig in engen Häfen manövriert, kann der Rückwärtsschub wichtiger sein als die letzte halbe Knoten unter Segeln. Dann spricht mehr für einen Drehflügelpropeller als für einen einfachen Faltpropeller.
Die Entscheidung lässt sich mit einer nüchternen Gewichtung treffen:
- Segelperformance bei leichtem Wind: Vorteil für Falt- und Drehflügelpropeller.
- Rückwärtsfahrt und Aufstoppen: Vorteil für Fest- und Drehflügelpropeller.
- Einfachheit und geringe Wartung: Vorteil für den Festpropeller.
- Geringer Widerstand im Brunnenausschnitt: Vorteil für kompakte Drehflügelpropeller.
- Kosten und Montageaufwand: abhängig von Wellenzustand, Platzverhältnissen und notwendiger Anpassung.
- Motorsegeln: Vorteil für Propeller mit automatischer Steigungsanpassung.
- Fehlertoleranz im Betrieb: meist Vorteil für die einfache Festpropelleranlage.
Die Nachrüstung eines Faltpropellers an einer klassischen Segelyacht ist also keine reine Geschwindigkeitsmaßnahme. Sie verändert das Verhalten des Schiffes. Ein Drehflügelpropeller geht dabei den ausgewogeneren Weg, verlangt aber eine sorgfältige Auslegung und regelmäßige Kontrolle.
Wartung nach dem Propellerwechsel
Ein beweglicher Propeller funktioniert dauerhaft nur dann zuverlässig, wenn die Mechanik sauber bleibt und nicht trockenläuft. Bewuchs kann die Flügelbewegung behindern. Korrosion kann Lager und Gelenke schwergängig machen. Eine falsche Schmierung kann ebenso schaden wie fehlende Schmierung.
Die Wartung gehört deshalb in den normalen Jahresablauf der Yacht.
Vor dem Einwassern
- Propellerflügel auf Korrosion, Beschädigung und ungewöhnliches Spiel prüfen.
- Faltgelenke oder Verstellmechanik von Bewuchs und alten Ablagerungen befreien.
- Freigängigkeit aller Flügel von Hand kontrollieren.
- Wellenkonus, Sicherung und Mutter auf festen Sitz prüfen.
- Abstand zu Totholz, Ruderblatt und Rumpf erneut ansehen.
- Opferanode prüfen und bei deutlichem Materialverlust ersetzen.
- Vorgeschriebenes Fett oder Schmiermittel verwenden. Kein beliebiges Mehrzweckfett einsetzen.
- Bei einem Drehflügelpropeller die korrekte Grundstellung und Steigung kontrollieren.
Nach den ersten Motorstunden
- Auf Vibrationen bei verschiedenen Drehzahlen achten.
- Prüfen, ob der Motor unter Last seine vorgesehene Drehzahl erreicht.
- Rückwärtsfahrt und Aufstoppen mit ausreichendem Abstand testen.
- Schaltvorgänge bei niedriger Drehzahl durchführen. Beim Variprop maximal mit 1200 Umdrehungen pro Minute umschalten.
- Nachsehen, ob sich die Welle, die Sicherung oder die Propellermutter gelockert haben.
- Abgasfarbe und Motortemperatur beobachten. Ein neuer Propeller kann die Motorlast verändern.
Während der Saison
- Nach Grundberührung oder Leinenkontakt die Propelleranlage prüfen lassen.
- Bei zunehmenden Vibrationen nicht weiterfahren, bis die Ursache geklärt ist.
- Einen Faltpropeller nicht mit Gewalt öffnen oder schließen.
- Die Welle nicht ohne Kenntnis der Getriebevorgaben blockieren.
- Veränderungen im Rückwärtsverhalten im Bordbuch vermerken.
- Bei längeren Stillstandszeiten den Propellerbereich auf Bewuchs kontrollieren.
Die Wartungsliste ersetzt keine Herstellerangaben. Sie verhindert aber die häufigsten Versäumnisse. Bei klassischen Yachten ist der Zugang zur Wellenanlage oft begrenzt. Deshalb sollte jede Kontrolle während des Krantermins genutzt werden. Ein späterer Zugang im Wasser ist aufwendiger und selten besser.
Fazit: weniger Widerstand, aber keine Abkürzung bei der Auslegung
Ein neuer Propeller kann einen klassischen Langkieler unter Segeln deutlich entlasten. Der Festpropeller bleibt als Bremsfläche im Wasser. Ein Faltpropeller reduziert diese Fläche stark. Ein Drehflügelpropeller bringt zusätzlich eine gute Wirkung beim Rückwärtsfahren und kann beim Motorsegeln effizienter arbeiten.
Die Zahlen sind attraktiv: etwa 90 Prozent weniger Widerstand in der Segelstellung und je nach Yacht 0,5 bis 1,0 Knoten mehr Fahrt. Sie sind aber keine Garantie für jedes einzelne Boot. Der tatsächliche Gewinn hängt vom Unterwasserschiff, vom Propeller, von der Wellenanlage und vom Zustand der Yacht ab.
Bei einem klassischen Langkieler entscheidet der Brunnenausschnitt. Passt der Propeller nicht mit ausreichendem Abstand vor das Ruderblatt, ist jede Prospektangabe wertlos. Wir messen zuerst. Wir prüfen die Welle. Wir rechnen Motor und Getriebe zusammen. Erst danach wählen wir zwischen Faltpropeller und Drehflügelpropeller.
Fakt ist: Der beste Propellerumbau ist nicht der spektakulärste. Er ist der, der unter Segeln wenig Widerstand erzeugt, beim Manövrieren beherrschbar bleibt und nach mehreren Saisons noch ohne Schwergang und Vibrationen arbeitet.