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Wenn der Motor schweigt: Warum Treibstoffmangel auf See zur Gefahr wird

Wie der Jersey Evening Post und die RNLI aktuell aus zwei Einsätzen berichten, kennen viele Crews genau diesen Moment: Du motorst in eine Bucht, der Anker ist noch nicht klar, die Crew steht an der…

aktualisiert 12. September 2026

Wenn der Motor schweigt: Warum Treibstoffmangel auf See zur Gefahr wird

Wie der Jersey Evening Post und die RNLI aktuell aus zwei Einsätzen berichten, kennen viele Crews genau diesen Moment: Du motorst in eine Bucht, der Anker ist noch nicht klar, die Crew steht an der Reling – und plötzlich stirbt der Motor. Kein Vibrieren, kein Stottern, nur diese eigentümliche Stille an Deck, in der dir schlagartig klar wird, wie abhängig wir von einem kleinen Stück Technik sind. Was in beiden Fällen am Ende fehlte, war keine spektakuläre Havarie – es war schlicht der Diesel, und was beide Einsätze zeigen, ist genau die Ruhe, mit der ein solcher Ausfall eskalieren kann.

Was an Jersey und vor Wicklow passierte

Vor St Helier auf Jersey blieb nach Angaben des Jersey Evening Post eine 15-Meter-Segelyacht wegen Treibstoffproblemen manövrierunfähig liegen und musste eingeschleppt werden. Wenig später rückten nach Informationen der RNLI die Freiwilligen der Wicklow-Station fünf Meilen südlich von Wicklow Harbour aus, weil bei einem 7-Meter-Boot das Triebwerk ausgefallen war. Ablandiger Wind drückte die Yacht in Richtung der Wolf-Rock-Untiefe – genau jene Dynamik, die aus einer harmlosen Panne binnen Minuten eine ernste Gefahr werden lässt.

Was die Retter uns mitgeben

Die Jersey Lifeboat Association nutzt den Vorfall, um an etwas zu erinnern, das im Bordalltag leicht untergeht: Kraftstoff ist nicht gleich Kraftstoff. Wer vor dem Törn nur den Füllstand auf der Anzeige prüft, hat die halbe Arbeit getan. Auch die Reinheit und Qualität des Diesels entscheiden, ob der Motor wirklich anspringt, wenn du ihn brauchst – sei es beim Anlegemanöver in einer engen Marina, beim Ausweichen vor einem Frachter in der Hafeneinfahrt oder beim Kämpfen gegen Strom und Wind auf einer engen Reede. Wasser im Tank, Algenbildung, Partikel aus dem Zapfschlauch der Marina – das sind die stillen Begleiter, die sich über Monate einschleichen.

Was du vor dem nächsten Törn prüfen kannst

Mir ist genau das einmal in einem Hafen in Dänemark passiert: Der Motor ging aus, weil sich Kondenswasser im Diesel gesammelt hatte. Wir lagen glücklicherweise an der Pier – aber das mulmige Gefühl, genau dieselbe Situation fünf Meilen vor einer Felsküste zu erleben, vergisst man nicht. Ohne Maschine reagiert der Rumpf ganz anders auf Welle und scheinbaren Wind, jede Korrektur an der Pinne wird anstrengender, und plötzlich zählt jeder Handgriff. Seitdem gehört bei mir vor jeder Reise ein kleines, ruhiges Ritual dazu: Tankdeckel auf, Wasser im Abscheider ablassen, eine Probe in ein durchsichtiges Glas ziehen und auf Trübung, Schwebstoffe und Partikel schauen. Dazu ein kurzer Blick auf den Kraftstofffilter, das Datum des letzten Wechsels und den Zustand der Schlauchschellen. Alles in zehn Minuten erledigt – und du gehst mit einer echten Sorge weniger an Bord.

Nimm dir diese zehn Minuten, bevor du die Leinen loswirfst. Die See verzeiht viel, aber nicht eine Maschine, die genau dann schweigt, wenn du sie brauchst.