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Gefahr durch den Großbaum: Warum medizinische Notfälle an Bord oft vermeidbar sind

Einsätze, ein uralter Bekannter: der Großbaum. Was die RNLI in dieser Woche aus zwei Häfen heraus gefischt hat, zeigt einmal mehr, warum ein vernünftiger Baumschutz kein Kinkerlitzchen ist, sondern…

aktualisiert 11. September 2026

Gefahr durch den Großbaum: Warum medizinische Notfälle an Bord oft vermeidbar sind

Einsätze, ein uralter Bekannter: der Großbaum. Was die RNLI in dieser Woche aus zwei Häfen heraus gefischt hat, zeigt einmal mehr, warum ein vernünftiger Baumschutz kein Kinkerlitzchen ist, sondern Teil der Sicherheitsausrüstung – und warum am Ende doch der gesunde Menschenverstand entscheidet, nicht das Zubehörregal.

Zunächst die Meldung aus Irland. Wie Afloat.ie berichtet, haben Freiwillige der Crosshaven RNLI gemeinsam mit Einheiten der Küstenwache im Cork Harbour einen verletzten Segler von einer Segelyacht übernommen und an Land gebracht. Über die Art der Verletzung schweigt die Meldung – fest steht nur, dass eine medizinische Erstversorgung notwendig wurde.

Mehr Substanz liefert der zweite Einsatz. Wie die RNLI selbst mitteilt, zog sich auf einer 30-Fuß-Ketsch vor Bardsey Island bei Windstärke 5 bis 6 ein Segler eine Kopfverletzung durch den Großbaum zu. Die Besatzung der Porthdinllaen RNLI schleppte das Boot bei schwerer See in geschützte Gewässer, um den Verletzten an Bord zu versorgen.

Warum der Baum immer gewinnt

Ich sage es seit Jahren: Der Großbaum schlägt nicht, er rächt sich. Wer bei frischem Wind einmal mit dem Kopf gegen das Ding geknallt ist, weiß, wovon ich rede. Eine 30-Fuß-Ketsch hat im Cockpit keine endlosen Reserven, und bei Böen jenseits der 20 Knoten wird der Baum zum schnellsten Gegenstand an Bord. Das ist keine Theorie, das ist Physik – und meistens kommt der Schlag genau dann, wenn man gerade nicht hinschaut: wenn man in die Schoten greift, das Vorsegel klaren will oder sich nach einer Tasse Kaffee bückt. Wetter, Erschöpfung, ein unbedachtes Manöver – der Baum braucht nur einen Moment.

Was an Bord wirklich hilft

Bevor jetzt die Werbung für Airbag-Westen und Carbon-Helme einsetzt: Bewährt hat sich schlichtes Material. Ein gut gepolsterter Schanddeckel, sauber vernäht und nicht schon porös, kostet keine drei Handgriffe und nimmt dem Baum den ärgsten Biss. Dazu ein Reff, das konsequent vor dem Ablegen sitzt – nicht erst, wenn die Böe schon über die Kimm kommt. Und dann noch das, was kein Katalog der Welt verkauft: Aufmerksamkeit. Wer bei zunehmendem Wind die Augen auf dem Baum und nicht auf dem Plotter hat, schont sich selbst. Genauso gehört ein ordentlich gepacktes Erste-Hilfe-Set in Reichweite, kein verstaubtes Täschchen unter dem Salondeckel.

Den Notfall mitplanen, nicht hoffen

Funkgerät, Rettungsinsel, Seenotrettung auf Kurzwelle – alles wichtig, alles Standard. Nur nützt das beste Material nichts, wenn im Ernstfall niemand weiß, wo es liegt oder auf welcher Frequenz gerufen wird. Bevor Ihr die Leinen loswerft: einmal durchgehen, wer an Bord was macht, wenn jemand liegt. Nicht weil man dramatisch sein muss, sondern weil eine Stunde See bei Wind 5 bis 6 reicht, um aus einem blauen Fleck eine Sache zu machen, die im Hafen endet. Die RNLI ist zum Glück da, wenn es trotzdem passiert. Sie muss nur nicht jeder anrufen müssen.