Fünf Jahrzehnte später: Die abenteuerliche Weltumseglung der Auralyn II
Wie die BBC jetzt berichtet, hat der heute 79-jährige Colin Foskett aus Fareham das vor 50 Jahren anders gemacht: Er ist einfach losgesegelt.

Ich erinnere mich gut an das Gefühl, vor dem ersten großen Törn monatelang Listen zu schreiben, Wetterdaten zu studieren und am Ende doch zu ahnen, dass irgendetwas fehlen wird. Wie die BBC jetzt berichtet, hat der heute 79-jährige Colin Foskett aus Fareham das vor 50 Jahren anders gemacht: Er ist einfach losgesegelt. 20.000 Seemeilen auf der Auralyn II, mit einem Schreiner an Bord, der vorher nie an eine Weltumseglung gedacht hatte. Was als spontane Idee mit Freunden begann, wurde zu einer Reise, die sein Denken für immer veränderte.
Die Idee kam von denen, die schon einmal gerettet wurden
Im Sommer 1975 lief die Auralyn II in Llanelli in Wales aus. Die Crew: Foskett, seine Frau June, das befreundete Paar Maurice und Maralyn Bailey sowie Tony Martin. Die Baileys brachten die Idee mit – sie waren erst drei Jahre zuvor nach 118 Tagen auf See gerettet worden, nachdem ein Wal ihr Schiff zerstört hatte. Statt der See den Rücken zu kehren, wollten sie nun nach Patagonien. Foskett sagte der BBC, dass er die Gefahr nie wirklich bedacht habe. Für ihn sei es ein Abenteuer gewesen.
Die Reise führte rund um Südamerika, durch den Panamakanal und hinunter bis nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt. Dreimal geriet die Crew mit den lokalen Behörden aneinander – in Kap Verde, in Montevideo und in Punta Arenas. Foskett erinnert sich laut BBC, wie bewaffnete Soldaten mit ihren Nagelstiefeln an Bord kamen und erklärten, sie führten die falsche Flagge. Genau solche Momente zeigen, wie wichtig es ist, in fremden Gewässern die Ruhe zu bewahren und die Papiere griffbereit zu haben.
Die Begegnung, die niemand auf dem Plan hatte
Dann der Moment, der allen den Puls stocken ließ. Was am Horizont wie ein Schnellboot aussah, kam näher – und richtete sich auf. Wie Foskett der BBC erzählte, war es ein Wal, der direkt auf das Heck zukam, den Kopf hob und die Crew anschaute. Bei den Baileys, die Jahre zuvor ein Schiff durch ein solches Tier verloren hatten, blieb das Herz kurz stehen. Bei Foskett selbst verlief die Begegnung leiser: Als der Wal verschwand, glitt sein Schwanz lautlos unter die Wellen, ohne auch nur ein Kräuseln zu hinterlassen.
Wer selbst auf See gewesen ist, kennt solche Sekunden. Da hilft nur, das Ruder fest in der Hand, den Blick auf dem Tier, den Atem flach. Meistens sind wir für die großen Meeresbewohner uninteressant – und sie ziehen weiter.
Was eine solche Reise hinterlässt
Die Auralyn II endete 1976 auf der Southampton International Boat Show – mit rund 20.000 Seemeilen auf dem Zähler. Fosketts Tochter Terry Smith erzählte der BBC, dass an Bord nichts im Überfluss existierte. Das Essen war streng rationiert. In einer der ersten Nächte aß ihr Vater heimlich ein ganzes Glas Marmelade leer und versuchte das Glas zu verstecken. Seitdem, sagt sie lachend, habe er keine Marmelade mehr angerührt.
Der einzige Komfort an Bord war ein etwa 30 Zentimeter großer, weißer Teddybär mit violetten Pfoten – Maskottchen Bartholomew, den June heimlich mitgenommen hatte. June war nach den Worten ihrer Tochter diejenige, die zum ersten Mal richtig von Zuhause fort war.
Heute sind June und die Baileys nicht mehr am Leben. Terry möchte die Erinnerungen an diese Reise bewahren. Und Colin, kurz vor seinem 80. Geburtstag, sagt der BBC, er würde die Fahrt nicht noch einmal antreten. Er sei aber froh, sie gewagt zu haben. Die Reise habe sein Denken verändert, sagt er – in vielerlei Hinsicht.
Für alle, die heute selbst mit dem Gedanken spielen, sich auf eine große Reise zu begeben, bleibt eine stille Erkenntnis aus dieser Geschichte: Man muss nicht alles wissen, bevor der erste Knoten sitzt. Man muss nur bereit sein, unterwegs dazuzulernen – und sich auf eine Crew verlassen können, die man wirklich kennt. Vorbereitung ist wichtig. Was am Ende zählt, ist die Gelassenheit, sich selbst und dem Meer zu vertrauen.