Segelyacht in Fischfarm verheddert: Dramatische Rettung vor Nordirland
Wie die BBC berichtet, war die Segelyacht auf dem Weg von Oban in Schottland nach Portugal, als sie in der Red Bay bei Cushendall in eine Fischfarm geriet und jegliche Kontrolle über Maschine und Ruder verlor.

Es gibt Nächte auf See, in denen jede Hand sitzen muss – und genau in eine solche Nacht geriet eine sechsköpfige Crew auf einer 46-Fuß-Yacht vor der Küste Nordirlands. Wie die BBC berichtet, war die Segelyacht auf dem Weg von Oban in Schottland nach Portugal, als sie in der Red Bay bei Cushendall in eine Fischfarm geriet und jegliche Kontrolle über Maschine und Ruder verlor. Bei 60 Knoten Wind, peitschendem Regen und völliger Dunkelheit kämpften die Retter der Red Bay RNLI sieben Stunden lang darum, die Besatzung heil nach Glenarm zu bringen.
Zwischen Netzen und Böen
Als die Yacht in den frühen Morgenstunden mit den Verankerungen der Fischzuchtanlage in Kontakt kam, hatte sie nach Angaben der BBC bereits jeglichen Vortrieb und jede Steuerung verloren. Die Red Bay RNLI rückte um 03:22 Uhr Ortszeit mit einem Lifeboat und einem Inshore Lifeboat aus. Die Station selbst sprach anschließend von "Force 9 gusting winds, driving rain and the darkness of night" – Bedingungen, in denen ein normales Heranmanövrieren an die havarierte Yacht lebensgefährlich gewesen wäre. Die Einsatzleitung entschied, die Segler an Bord zu lassen und die Rettung bis zum Tageslicht um 07:30 Uhr auszusetzen. Gegen 09:30 Uhr befreiten die Freiwilligen das Fahrzeug aus den Verankerungen und schleppten es sicher nach Glenarm. Verletzt wurde niemand.
Die richtige Entscheidung in der Not
Eine Fischfarm ist kein einzelner Pol, den man auf der Karte abhakt. Die Seile und Netze greifen unter Wasser weiter, als man vom Cockpit aus überblickt – und halten einen Rumpf oft fester als jede Grundsee. Bei 60 Knoten Böen, ohne Maschine und ohne Ruder, ist eine Eigenrettung durch Schwimmer kaum noch möglich. Die Besatzung verhielt sich genau richtig: Sie blieb an Bord, setzte den Notruf ab und vertraute auf die professionelle Rettungskette. Coxswain Paddy McLaughlin von der Red Bay RNLI würdigte nach dem Einsatz ausdrücklich die schnelle Reaktion seiner Crew und die Zusammenarbeit mit dem Belfast Coastguard.
Was vor jeder Passage auf die Checkliste gehört
Wer in Reviere mit Aquakulturen aufbricht – schottische und irische Westküste, norwegische Fjorde, bretonische Buchten –, sollte sich vor dem Törn die Positionen der Anlagen in der Seekarte einprägen. Revierhinweise aus dem Hafen, aktuelle AIS-Daten und die Erfahrungen anderer Segler helfen, gefährdete Stellen früh zu erkennen. Mindestens ebenso wichtig: Reffpläne, die nicht erst beim ersten Knarzen, sondern bereits bei auffrischendem Wind greifen. Mir ist genau das vor einigen Jahren vor Skagen passiert – ich hatte das erste Reff zu lange aufgeschoben, und das Schiff lag eine Böe später so quer, dass das zweite Reff zur Notwehr wurde. Auch ein klares Funk- und Notfallprotokoll gehört dazu: Welche Kanäle sind in der Region üblich, wo sitzt die nächste Küstenwache, wer hält im Ernstfall die Position des Notrufs bereit? Dieser Fall aus Nordirland zeigt: Auch wer sein Handwerk versteht, kann in eine Lage geraten, in der am Ende nur Ruhe, eine gut vorbereitete Crew und das Vertrauen auf die professionelle Rettungskette weiterhelfen.