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Pat Lawless: Mit 70 Jahren nonstop und ohne Technik um die Welt segeln

Wie The Journal berichtet, will der 70-jährige Pat Lawless aus Limerick als erster Ire eine nonstop durchgeführte Solo-Weltumsegelung erfolgreich beenden und möglichst gewinnen.

aktualisiert 04. September 2026

Pat Lawless: Mit 70 Jahren nonstop und ohne Technik um die Welt segeln

Er startet bei der Ausgabe 2026 der Golden Globe Race, einer Regatta, in der elektronische Navigation nicht erlaubt ist. Für Fahrtensegler liegt die Bedeutung dieser Nachricht weniger im spektakulären Rekord als in der Frage, wie weit Vorbereitung, Umsicht und die eigene psychische Belastbarkeit tragen können, wenn technische Abkürzungen wegfallen.

Wenn Vorbereitung wichtiger wird als Selbstvertrauen

Lawless segelt mit der Yacht „Silvermines Hydro“; das Boot hat laut dem Bericht die vorgeschriebenen Sicherheits- und Ausrüstungsprüfungen bestanden. Für diese Regatta bedeutet das jedoch nicht, dass die schwierigen Entscheidungen an Bord abgenommen sind. Navigation mit Karten und klassischen Hilfsmitteln verlangt eine andere Aufmerksamkeit als ein kurzer Blick auf einen Plotter: Die Position muss regelmäßig überprüft, der Kurs vorausschauend geplant und die Bewegung der Yacht im Seegang laufend neu eingeschätzt werden.

Gerade darin steckt eine nüchterne Lehre für jeden längeren Törn. Wer erst bei zunehmendem Wind nach Karten, Reffleinen oder Notfallausrüstung sucht, ist bereits zu spät. Vorbereitung beginnt nicht mit dem ersten Böenfeld, sondern an einem ruhigen Nachmittag im Hafen: Wo liegen die Karten? Welche Instrumente funktionieren unabhängig voneinander? Kann die Crew den Kurs auch dann nachvollziehen, wenn die Elektrik ausfällt? Und weiß jeder an Bord, welche Entscheidung bei schwerem Wetter nicht erst diskutiert werden sollte?

Lawless bereitet sich nach eigenen Angaben seit insgesamt acht Jahren auf die Herausforderung vor. Ein früherer Versuch im Jahr 2022 endete nicht mit dem Zieleinlauf. Die aktuelle Teilnahme ist damit kein spontanes Altersabenteuer, sondern das Ergebnis einer langen Folge aus Training, Ausrüstungskontrollen und wiederholter Auseinandersetzung mit den eigenen Grenzen.

Die eigentliche Belastung liegt nicht nur im Sturm

An der Regatta nehmen 16 Personen teil, darunter 15 Männer und eine Frau. Die Isolation gehört ebenso zum Konzept wie die körperliche Arbeit an Deck. Telefonate mit Angehörigen sind während des Rennens nicht erlaubt; die Teilnehmenden dürfen lediglich einmal pro Woche das Büro der Golden Globe Race anrufen und einmal täglich Nachrichten dorthin senden.

Das ist ein Detail, das auch auf weniger extreme Törns übertragbar ist. Einsamkeit entsteht nicht erst im Südpolarmeer. Schon auf einer mehrtägigen Überfahrt kann die Stimmung kippen, wenn Schlaf fehlt, Entscheidungen allein getroffen werden müssen und ein vertrautes Gegenüber nicht erreichbar ist. Wer solche Passagen plant, sollte deshalb nicht nur Wetterfenster und Proviant prüfen, sondern auch vorher besprechen, wie bei Erschöpfung, Unsicherheit oder einem technischen Ausfall gehandelt wird.

Als besonders große Gefahr im Südpolarmeer wird das sogenannte Pitchpole- oder Rollmanöver beschrieben: Die Yacht kann sich vollständig überschlagen, wobei der Mast unter Wasser gerät und verloren gehen kann. Auch ein Schaden am Rumpf mit anschließendem Wassereinbruch gehört zu den Risiken, die Lawless fürchtet. Für die Vorbereitung heißt das nicht, jedes Szenario ausmalen zu müssen. Es heißt, die wenigen wirklich kritischen Abläufe so oft zu besprechen, dass an Bord auch unter Druck Ruhe möglich bleibt.

Was sich für die eigene Törnplanung ableiten lässt

Die Golden Globe Race ist bewusst auf Reduktion angelegt: keine elektronische Navigation, lange Isolation und eine Route, die Mensch und Material über Wochen und Monate beansprucht. Auf einer privaten Segelyacht wird niemand diese Bedingungen vollständig nachbilden wollen. Trotzdem lohnt es sich, einzelne Elemente kontrolliert zu üben.

Ein sinnvoller Schritt ist ein kurzer Navigationstag ohne Plotter, aber mit vollständiger Vorbereitung: Papierkarte, Kursberechnung, Positionsbestimmung und ein klarer Zeitpunkt für die nächste Kontrolle. Ebenso wichtig ist ein Elektrik-Szenario, bei dem die Crew nicht nur weiß, dass es Ersatzbatterien gibt, sondern tatsächlich ausprobiert, welche Systeme dann noch arbeiten. Das kostet wenig Zeit und zeigt schnell, wo die vermeintliche Redundanz nur auf dem Papier existiert.

Pat Lawless segelt dabei auch für einen persönlichen Zweck: Mit seiner Teilnahme will er Geld für Forschung und Behandlung der Parkinson-Krankheit sammeln, mit der seine Ehefrau lebt. Ob er die Weltumsegelung beendet, lässt sich vor dem Start nicht versprechen. Genau diese Offenheit gehört zur Seemannschaft: Sicherheit entsteht nicht daraus, dass man den Ausgang kennt, sondern daraus, dass man vorbereitet ist, Risiken ehrlich benennt und im entscheidenden Moment nicht schneller handelt, als die Lage es erlaubt.