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Bordtechnik & Ausrüstung

Stehendes Gut erneuern: Projekt von Aufmaß bis Trimm

Sie stehen an Deck, es ist einer dieser klaren Morgen im Hafen, und Ihre Hand gleitet unbewusst am vorderen Want entlang.

Stehendes Gut erneuern: Projekt von Aufmaß bis Trimm

Die Litze fühlt sich glatt an, fast zu glatt, und irgendwo unten, nahe dem Deck, glauben Sie, eine kaum sichtbare braune Ader zu erkennen – oder ist es nur eine Reflexion im Tau? Dieser Moment, in dem die leise Unsicherheit nach innen greift, ist für viele von uns vertraut.

Wann ist der Punkt erreicht, an dem das stehende Gut – also Wanten und Stage – nicht mehr nur geprüft, sondern ausgetauscht werden muss? Die Frage ist keine akademische. Sie betrifft die tragende Struktur der Yacht und damit auch die Sicherheit von Schiff und Crew. Gleichzeitig ist der Austausch kein einzelner Handgriff, sondern ein kleines Projekt: Zustand aufnehmen, Maße bestimmen, Material auswählen, Kosten einschätzen, das neue Gut einbauen und den Mast anschließend wieder sauber trimmen.

Wer das stehende Gut erneuern will, sollte deshalb nicht erst dann beginnen, wenn ein Draht sichtbar gebrochen ist. Gute Arbeit entsteht hier vor allem durch Vorbereitung. Der neue Draht ist am Ende nur so gut wie das Aufmaß, die Beschläge und die Einstellung, die ihn an Bord erwarten.

Verschleißgrenzen und Lebensdauer: Wann der Austausch wirklich nötig ist

Die Faustregel, die in Foren und Werfthallen immer wieder auftaucht, lautet: etwa fünfzehn Jahre oder ungefähr 25.000 Seemeilen. Das sind keine physikalischen Grenzwerte und auch keine automatische Austauschpflicht. Sie geben vielmehr einen Zeitraum an, in dem eine gründliche Zustandsprüfung und eine realistische Erneuerungsplanung sinnvoll werden. Wie lange das stehende Gut tatsächlich hält, hängt von Material, Fertigungsqualität, Belastung, Revier, Pflege und der Konstruktion des gesamten Riggs ab.

Edelstahldraht altert nicht nur an der Oberfläche. Rostspuren an den Enden, Verfärbungen und gebrochene Einzeldrähte sind sichtbare Hinweise, aber ein Teil der problematischen Vorgänge bleibt zunächst verborgen. Feuchtigkeit kann in Pressungen und unter Endbeschläge gelangen. An den Übergängen zwischen Draht, Kausche und Terminal entstehen Bewegungen, die sich von außen nur schwer beurteilen lassen. Dazu kommen wechselnde Zuglasten durch Böen, Seegang und das ständige Arbeiten des Mastes.

Auch die Reckung des alten Drahtes darf man nicht einfach als vollständig vernachlässigbar behandeln. Edelstahl-Drahtseile können sich unter Last und über die Jahre geringfügig längen. Ein Teil dieser Längenänderung ist elastisch und verschwindet wieder, wenn die Last abfällt; ein anderer Teil kann durch Setzung, Materialverformung und die Anpassung der Beschläge dauerhaft wirksam werden. Das alte Want ist deshalb nicht automatisch ein exaktes Maß für das neue. Es kann als wichtige Referenz dienen, sollte aber nicht ohne Gegenprüfung als alleinige Vorlage für die Konfektionierung verwendet werden.

Beim 1x19-Draht kommt ein weiterer Punkt hinzu. Die Konstruktion besteht aus 19 einzelnen Drähten, die zu einer relativ steifen Litze verseilt sind. Jeder gebrochene Einzeldraht bedeutet hier exakt den Verlust eines Neunzehntels der ursprünglichen Tragfähigkeit – anders als bei flexibleren Konstruktionen mit Dutzenden oder Hunderten dünner Einzeldrähte, wo der Ausfall eines einzelnen Drahtes anteilig weniger ins Gewicht fällt. Jeder sichtbare Drahtbruch ist deshalb ein klares, nicht zu relativierendes Warnsignal. In einem Want über der Saling sind mehrere gebrochene Drähte daher kein kosmetischer Mangel, sondern ein Anlass, das gesamte Bauteil und die Ursache fachlich zu bewerten.

Besonders aufmerksam schaue ich auf diese Bereiche:

  • Endbeschläge und Pressungen: Verfärbungen, Risse, aufgeweitete Übergänge oder Spuren von Feuchtigkeit sind ernst zu nehmen.
  • Bereiche an Saling, Püttings und Wantenspannern: Dort arbeitet der Draht, und dort konzentrieren sich häufig Korrosion und Biegewechsel.
  • Gewinde und Gabelterminals: Ein schwergängiges, beschädigtes oder sichtbar korrodiertes Gewinde kann die Sicherheit des gesamten Anschlusses beeinträchtigen.
  • Püttings und Decksbereiche: Rost am Draht kann die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Problem ablenken. Auch Bolzen, Laschen, Gegenplatten und die Umgebung im Deck gehören zur Prüfung.
  • Rod-Rigg und Sonderkonstruktionen: Stäbe, Terminals und Verbindungselemente benötigen eine andere Beurteilung als klassischer 1x19-Draht. Hier sollte ein Rigger mit Erfahrung im jeweiligen System hinzugezogen werden.

Die Herstellerempfehlungen und die Praxis vieler Rigger bewegen sich bei Fahrtenyachten häufig in einer ähnlichen Größenordnung: Nach vielen Betriebsjahren oder einer hohen Laufleistung wird die vollständige Erneuerung planbar, auch wenn noch kein akuter Schaden sichtbar ist. Manche Versicherer verlangen bei älteren Yachten außerdem einen professionellen Rigg-Check. Entscheidend ist, die eigene Yacht nicht nach einer einzelnen Zahl zu beurteilen, sondern nach dem Zusammenspiel aus Alter, Belastung und Zustand.

Die Angst vor dem großen Rigg-Wechsel ist meist größer als das Projekt selbst. Es beginnt nicht mit dem Bohren, sondern mit dem ehrlichen Blick, einem vollständigen Befund und einem verlässlichen Aufmaß.

Ein einzelnes beschädigtes Want kann in bestimmten Fällen ersetzt werden. Bei einem älteren Rigg ist das jedoch nicht immer die beste Lösung. Neue und alte Wanten können sich in Länge, Vorspannung und Materialzustand unterscheiden. Vor allem sollte man nicht nur den sichtbaren Bruch reparieren, wenn mehrere Bauteile dieselbe Vorgeschichte haben. Das gilt besonders nach einer harten Grundberührung, einem Sturmereignis, einem Maststurz in der Nachbarschaft oder einer längeren Phase mit ungewöhnlich hoher Riggspannung.

Präzises Aufmaß: Die Kunst der Längenbestimmung von Bolzen zu Bolzen

Die sicherste und verbreitetste Grundlage für die Konfektionierung neuer Wanten ist die Messung im eingebauten Rigg: von der Mitte des oberen Bolzens bis zur Mitte des unteren Bolzens. Das klingt einfach, verlangt aber Konzentration. Ein falsch zugeordnetes Want, ein nicht berücksichtigter Wantenspanner oder ein unbemerkter Mastfall kann später dazu führen, dass das neue Gut zwar maßlich plausibel aussieht, sich aber nicht sauber trimmen lässt.

Das alte Want sollte deshalb nicht einfach abgenommen, auf den Boden gelegt und als unveränderte Wahrheit behandelt werden. Es kann sich über die Jahre gesetzt und unter Last geringfügig gelängt haben. Vor allem bei langen Wanten und Stagen ist diese Änderung nicht automatisch bedeutungslos. Das alte Bauteil bleibt eine wertvolle Vergleichsgröße – etwa für die Lage des Terminals, die Art der Beschläge und die Reihenfolge der Anschlüsse –, aber die maßgebliche Geometrie liefert das Rigg selbst.

Vor dem Messen wird der Mast so weit wie möglich in seinen normalen Zustand gebracht. Das bedeutet nicht, dass das Rigg bereits fertig getrimmt sein muss. Es sollte aber keine zufällige Schrägstellung vorliegen, die nur durch lose oder ungleich belastete Wanten entstanden ist. Bei Unsicherheit ist ein Aufmaß durch einen Rigger die bessere Entscheidung als ein vermeintlich eingesparter Arbeitsschritt.

So wird das Aufmaß belastbar

1. Alle Bauteile eindeutig benennen.

Backbord und Steuerbord werden getrennt notiert. Oberwant, Unterwant, Achterwant, Vorstag und gegebenenfalls Babystag oder Checkstay dürfen nicht nur nach ihrer ungefähren Position beschrieben werden. Ein Foto mit sichtbarer Markierung hilft später bei der Zuordnung.

2. Die Wantenspanner in eine definierte Stellung bringen.

Für die neue Konfektionierung muss feststehen, wie viel Einstellweg später zur Verfügung stehen soll. Eine Mittelstellung des Gewindes ist häufig sinnvoll, aber sie ist kein Ersatz für die Vorgaben des Riggerbetriebs oder des Herstellers. Wichtig ist vor allem, dass die Stellung dokumentiert und bei allen vergleichbaren Bauteilen gleich gehandhabt wird.

3. Von Bolzenmitte zu Bolzenmitte messen.

Gemessen wird entlang der tatsächlichen Einbaurichtung, nicht entlang einer zufälligen Außenkante des Beschlags. Der Helfer hält das Maßband am oberen Bolzen, während die zweite Person den unteren Anschluss aufnimmt. Bei langen Strecken sollte das Band straff geführt werden, ohne den Draht durch Zug zu verformen.

4. Mehrfach messen und Abweichungen ernst nehmen.

Eine zweite Messung ist keine übertriebene Vorsicht. Stimmen die Werte nicht überein, wird nicht einfach der Mittelwert notiert. Zuerst muss geklärt werden, ob die Messpunkte, die Stellung des Spanners oder die Mastposition verändert wurden.

5. Anschlüsse und Beschläge separat erfassen.

Drahtdurchmesser, Terminaltyp, Gabel- oder Bolzenmaße, Gewinde, Kauschen und die Orientierung der Beschläge gehören auf das Aufmaßblatt. Ein Want kann die richtige Gesamtlänge haben und trotzdem nicht passen, wenn der Endbeschlag falsch gewählt wurde.

6. Alte Wanten beschriften, bevor sie abgenommen werden.

Ein Stück Klebeband mit einer eindeutigen Bezeichnung ist oft hilfreicher als eine Erinnerung an den Arbeitstag. Auch die Richtung und Einbaulage von Terminals sollte fotografisch festgehalten werden.

Ein stabil geführtes Maßband ist dafür besser geeignet als ein kurzer, klappbarer Zollstock. Der Zollstock kann bei langen Strecken zwar ergänzend verwendet werden, bringt aber durch Gelenke und ungenaue Anlagepunkte schnell zusätzliche Fehler in die Messung. Entscheidend ist nicht das Werkzeug allein, sondern die Wiederholbarkeit der Messung.

MethodeVorteilGrenze
Bolzen zu Bolzen im RiggErfasst die tatsächliche Geometrie von Mast, Deck und AnschlüssenDie Stellung des Riggs und der Wantenspanner muss dokumentiert werden
Altes Want als ReferenzZeigt Beschlagstyp, Einbaulage und die bisherige KonfigurationReckung, Setzung und Vorschäden können die Länge beeinflusst haben
Aufmaß durch einen RiggerBesonders sinnvoll bei komplexen Riggs, Rod-Systemen oder unklarer MastpositionHöhere Kosten, dafür weniger Risiko eines Fehlzuschnitts

Bei einem komplexen Toppwant oder einer Konstruktion mit mehreren Salingebenen lohnt sich eine maßstäbliche Skizze. Nicht, weil daraus ein Ingenieurplan werden soll, sondern weil sie Missverständnisse verhindert. Die Position jedes Anschlusses, die Seite des Schiffs und die vorgesehene Funktion des Bauteils müssen auch Wochen später noch eindeutig sein.

Kostenkalkulation für Fahrtenyachten: Edelstahl-Draht vs. Rod-Rigg

Die Kosten für ein neue Rigg lassen sich erst seriös einschätzen, wenn der Umfang der Arbeit feststeht. Material, Konfektionierung, Ausbau, Aufmaß, Transport, Mastlegen, Einbau und Trimm können in unterschiedlichen Betrieben getrennt oder als Paket berechnet werden. Wer nur den Preis pro Meter Draht vergleicht, betrachtet deshalb meist den kleinsten Teil der Rechnung.

Für eine klassische Fahrtenyacht von 35 bis 40 Fuß mit einem Standard-Rigg aus Edelstahl-Draht ist als Orientierung ein Rahmen von etwa 3.500 bis 7.000 Euro realistisch. Diese Größenordnung versteht sich nicht als verbindliches Angebot. Sie kann sich deutlich verändern, wenn der Mast gelegt werden muss, die Püttings überarbeitet werden müssen oder Sonderterminals zum Einsatz kommen.

Auf der Kostenseite stehen typischerweise:

  • der neue Draht in passendem Durchmesser und passender Konstruktion,
  • Terminals, Kauschen und Pressungen,
  • Wantenspanner, sofern sie nicht weiterverwendet werden,
  • Bolzen, Splinte und Sicherungselemente,
  • Ausbau und Kennzeichnung des alten Guts,
  • Aufmaß und Konfektionierung,
  • gegebenenfalls Mastlegen, Kran- oder Hallenkosten,
  • Montage und abschließender Riggtrimm.

Beim Rod-Rigg ist die Rechnung anders aufgebaut. Die Stäbe sind nicht einfach eine andere Form von Draht, sondern Teil eines Systems mit eigenen Endbeschlägen, Fertigungsverfahren und Anforderungen an die Maßgenauigkeit. Für eine 40-Fuß-Yacht bewegt sich der Rahmen je nach System und Hersteller häufig in der Größenordnung von 8.000 bis 14.000 Euro. Auch hier hängt der tatsächliche Betrag stark von Hersteller, System, Yacht und Arbeitsumfang ab.

Rod kann Vorteile bei Gewicht, Dehnung und Schwingungsverhalten bieten. Das macht es aber nicht automatisch zur besseren Lösung für jede Fahrtenyacht. Die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Fachbetrieben ist ein praktischer Faktor, der auf Langfahrt mindestens so wichtig sein kann wie die letzte Gewichtsersparnis. Klassischer Edelstahldraht lässt sich in vielen Revieren leichter beurteilen und ersetzen. Ein Rod-System verlangt dagegen passende Komponenten und Know-how.

PunktEdelstahl-Draht, meist 1x19Rod-Rigg
VerfügbarkeitIn vielen Werften und bei zahlreichen Riggern bekanntStärker vom jeweiligen System und spezialisierten Betrieben abhängig
KonfektionierungMit geeigneten Press- und Endbeschlägen vergleichsweise etabliertHohe Anforderungen an Systemkomponenten und Maßgenauigkeit
Reckung und TrimmUnter Last und über die Zeit sind Längenänderungen zu berücksichtigenGeringe Dehnung, dadurch andere Anforderungen an Einbau und Einstellung
Reparatur auf ReisenHäufig leichter zu beschaffen und zu ersetzenErsatz kann stärker an Hersteller und System gebunden sein
KostenIm Ausgangspunkt meist niedrigerMaterial und Fertigung liegen häufig deutlich höher

Die Entscheidung sollte nicht allein nach dem Anschaffungspreis fallen. Auch die Fragen, wie lange die Yacht noch gefahren werden soll, in welchen Revieren sie unterwegs ist und wer im Schadensfall helfen kann, gehören in die Kalkulation. Ein vermeintlich günstiger Einzeltausch kann teuer werden, wenn später weitere alte Komponenten ausfallen oder der Mast wegen nicht passender Maße erneut gestellt werden muss.

Technische Standards und Sicherheit: Warum 1x19-Draht bei jedem Bruch leidet

Warum so viel Aufmerksamkeit für ein scheinbar einfaches Stahlseil? Weil das stehende Gut den Mast in seiner Position hält. Der Mast ist kein selbstständig stehender Pfosten, sondern ein schlankes Bauteil, das unter Wind- und Segellasten von Wanten und Stagen geführt und abgestützt wird. Versagt ein wichtiger Anschluss unter Last, verändert sich das Kräftegleichgewicht innerhalb sehr kurzer Zeit.

Bei einer harten Bö an der Kreuz können dann nicht nur einzelne Drähte belastet werden. Der Mast kann sich aus dem vorgesehenen Lastpfad bewegen, Salinge und Beschläge werden schlagartig anders beansprucht, und die verbleibenden Wanten müssen Kräfte übernehmen, für die sie nicht allein ausgelegt sind. Ein Riggbruch beschädigt deshalb oft mehr als das Bauteil, an dem der erste Schaden sichtbar wurde.

Der Standard 1x19 ist bei Fahrtenyachten verbreitet, weil er eine hohe Festigkeit mit relativ geringer Dehnung und guter Formstabilität verbindet. Er ist aber kein unempfindliches Material. Biegewechsel mögen diese Litze nicht. Besonders kritisch sind Stellen, an denen der Draht nicht nur auf Zug belastet wird, sondern an einem Terminal, einer Kausche oder einem Beschlag wiederholt abknickt und sich bewegt.

Ein technischer Bezugspunkt ist DNV ST-0412, ein Regelwerk für die Konstruktion und Auslegung von Rigg-Systemen großer Yachten. Es richtet sich nicht unmittelbar an jede kleine Fahrtenyacht, macht aber deutlich, welche Grundsätze auch im kleineren Maßstab gelten: Materialermüdung, Lastpfade, Inspektionsintervalle und die Bedeutung jedes einzelnen Verbindungselements. Für die eigene Yacht ersetzt ein solcher Verweis allerdings keine Prüfung durch einen Fachbetrieb und keine herstellerspezifischen Vorgaben.

Das schwächste Glied ist häufig nicht der Draht in der Mitte seiner freien Länge. Es kann an der Pressung, im Terminal, am Bolzen, an der Salingaufnahme oder in der Deckskonstruktion liegen. Beim Erneuern des stehenden Guts sollten daher nicht automatisch alle vorhandenen Beschläge blind weiterverwendet werden. Pressungen, Gabelterminals, Bolzen und Sicherungselemente haben ähnliche Lebenszyklen wie das Drahtseil selbst. Werden sie nicht mit erneuert, kann ein neu konfektioniertes Want an alten, ermüdeten Anschlüssen enden – und das eigentliche Risiko nur teilweise beseitigen.

Auch die Sichtprüfung allein reicht nicht. Wer den Verdacht hat, dass ein Bauteil innerlich geschädigt ist, kommt um eine Demontage und eine fachliche Begutachtung selten herum. Korrosion unter der Kausche, ein gelockertes Terminal oder ein durch Biegewechsel vorgeschädigter Bereich lassen sich am ausgebauten Want deutlich sicherer beurteilen als im stehenden Rigg. Genau hier entscheidet sich, ob eine punktuelle Reparatur genügt oder das gesamte stehende Gut erneuert werden muss.

Vom Einbau bis zum Trimm: Den Mast nach dem Rigg-Wechsel korrekt einstellen

Mit dem Einbau der neuen Wanten und Stage ist das Projekt noch nicht abgeschlossen. Ein frisches Rigg verhält sich unter Last anders als das alte. Der Trimm entscheidet, ob der Mast in seiner vorgesehenen Form bleibt – oder ob er unter Segeldruck so stark ausweicht, dass Beschläge, Segel und sogar der Rumpf unnötig belastet werden.

Vor dem ersten Spannen wird kontrolliert, ob alle Anschlüsse vollständig sind: Splinte, Sicherungsbleche, Kontermuttern und eventuell vorgesehene Kauschen. Fehlt ein Bauteil, nützt die beste Konfektionierung nichts. Anschließend werden die Wantenspanner so weit angezogen, dass das Rigg handfest steht. Es geht ausdrücklich nicht darum, jetzt schon die endgültige Spannung zu erreichen.

Trimm in sinnvollen Schritten

1. Mast mittig im Schiff ausrichten.

Eine Lot oder ein einfacher Peilfaden zeigt, ob der Mast in Längs- und Querrichtung mittig steht. Schon ein paar Millimeter Versatz verändern das spätere Segelprofil und die Lastverteilung im Rigg.

2. Backbord und Steuerbord gleichmäßig vorspannen.

Die Spannung wird abwechselnd auf beiden Seiten aufgebaut, damit der Mast nicht einseitig weggezogen wird. Ein Längenvergleich der Wantenspanner zeigt, ob die Einstellung symmetrisch ist.

3. Oberwanten vor Unterwanten spannen.

Die Reihenfolge ist nicht beliebig. Bei den meisten Fahrtenyachten stabilisieren die oberen Wanten den Mast im oberen Drittel; die unteren kontrollieren den Übergang zum Salingbereich. Wer die Reihenfolge ändert, riskiert eine ungewollte Krümmung des Masts.

4. Vorstag und Achterstag nicht vergessen.

Längsachse und Mastfall gehören zur gleichen Kontrolle wie die seitliche Spannung. Ein zu loses Vorstag führt zu unruhigem Vorlieksverhalten, ein überdrehtes Achterstag kann den Mast nach achtern ziehen.

5. Erste Probefahrt unter Segellast.

Erst unter realer Belastung zeigt sich, ob der Mast in sich gerade bleibt, die Wanten gleichmäßig tragen und die Beschläge leise bleiben. Knackgeräusche oder sichtbares Ausweichen sind kein gutes Zeichen.

6. Nach dem ersten Törn nachjustieren.

Edelstahldraht setzt sich nach den ersten Stunden unter Last. Eine zweite Kontrolle nach einigen Seemeilen ist deshalb kein übertriebener Aufwand.

Als grobe Hilfe für die Spannung gilt bei vielen Fahrtenyachten der Bereich, in dem die Wanten sich noch mit der Hand zusammendrücken lassen, aber unter Segellast nicht durchhängen. Ohne ein professionelles Spannungsmessgerät bleibt das eine Annäherung; mit einer solchen Loos-Sonde oder einem vergleichbaren Werkzeug lässt sich die Spannung dagegen reproduzierbar dokumentieren. Wichtig ist weniger der eine exakte Wert als die Gleichmäßigkeit zwischen Backbord und Steuerbord.

Auch die Höhe der Salinge und der korrekte Mastfall verdienen Aufmerksamkeit. Hängt eine Saling tiefer als die andere, wandert der Mast unter Last aus der Mittelachse. Steht der Mast zu weit nach vorn, verändert sich das Achterstag-Verhalten und damit auch die Form des Großsegels. Diese Punkte sind oft unspektakulär, haben aber spürbare Auswirkungen auf Trimm und Segelbalance.

Wer den Mast nach dem Rigg-Wechsel nicht neu einstellt, hat nur die halbe Arbeit gemacht. Das neue Gut entfaltet seine Wirkung erst, wenn Spannung, Symmetrie und Mastlage zusammenpassen.

Am Ende sollte das Projekt nicht mit dem letzten Splint enden, sondern mit einer kurzen Dokumentation: welche Längen bestellt wurden, welche Spannungen erreicht wurden, wann der erste Törn stattfand und welche Auffälligkeiten es gab. Diese Aufzeichnung hilft nicht nur bei der nächsten Wartung, sondern gibt auch Hinweise, wenn sich ein Bauteil im weiteren Betrieb ungewöhnlich verhält.

Häufige Fragen

Wann sollte das stehende Gut einer Yacht erneuert werden?
Als grobe Orientierung gelten etwa fünfzehn Jahre oder ungefähr 25.000 Seemeilen. Diese Werte sind keine festen Grenzwerte; entscheidend sind das Zusammenspiel aus Alter, Belastung, Revier, Pflege und Zustand.
Wie misst man neue Wanten richtig aus?
Die verbreitetste Grundlage ist die Messung im eingebauten Rigg von der Mitte des oberen Bolzens bis zur Mitte des unteren Bolzens. Das Maß sollte mehrfach aufgenommen werden, während die Stellung der Wantenspanner und die Mastposition dokumentiert sind.
Welche Schäden am stehenden Gut sind besonders kritisch?
Gebrochene Einzeldrähte, Rostspuren an Enden, Verfärbungen, Risse, aufgeweitete Übergänge und Feuchtigkeit an Pressungen oder Endbeschlägen sind ernst zu nehmen. Auch korrodierte Gewinde, beschädigte Bolzen, Püttings und Decksbereiche müssen geprüft werden.
Wie viel kostet der Austausch des stehenden Guts?
Für eine klassische Fahrtenyacht von 35 bis 40 Fuß mit einem Standard-Rigg aus Edelstahldraht sind orientierend etwa 3.500 bis 7.000 Euro realistisch. Bei einem Rod-Rigg für eine 40-Fuß-Yacht liegt der Rahmen je nach System und Arbeitsumfang häufig bei etwa 8.000 bis 14.000 Euro.
Was muss nach dem Einbau neuer Wanten beim Trimm beachtet werden?
Der Mast wird mittig ausgerichtet, die Wanten werden auf beiden Seiten gleichmäßig und schrittweise gespannt, wobei meist die Oberwanten vor den Unterwanten eingestellt werden. Nach der ersten Probefahrt sollte das Rigg erneut kontrolliert und gegebenenfalls nachjustiert werden.