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Bordtechnik & Ausrüstung

Seeventile auf der Segelyacht tauschen: Projekt in 4 Phasen

Du stehst im Hafenbecken, drückst am Schlauch unter dem Backbord-Waschbecken, und dein Finger sinkt in eine Stelle, die sich anfühlt wie feuchter Keks. Die Schelle ist fest, der Schlauch noch gut – aber das Seeventil selbst?

Seeventile auf der Segelyacht tauschen: Projekt in 4 Phasen

Es lässt sich nicht mehr sauber schließen, die Mutter des Absperrhahns klemmt, und am Gewinde sitzt ein grüner Film, der nicht von Algen stammt. Genau in diesem Moment wird dir klar, dass das Bauteil unter der Wasserlinie sitzt und sich nicht einfach bis zur nächsten Saison ignorieren lässt.

Das ist kein Panikszenario, sondern Alltag auf älteren Fahrtenyachten. Seeventile arbeiten jahrelang unauffällig und werden deshalb gern aus dem Blick verloren. Dabei sind sie Teil der Rumpfdurchführung: Wenn ein Ventil, ein Borddurchlass oder die Verbindung zum Schlauch versagt, kann Wasser direkt ins Schiff gelangen.

Das Seeventile-Tauschen auf der Segelyacht ist deshalb kein Projekt für nebenbei. Es lässt sich aber sauber planen. Entscheidend sind die Reihenfolge der Arbeiten, ein geeigneter Werkstoff, eine belastbare Rumpfvorbereitung und eine Dichtigkeitsprüfung, die nicht bei einem kurzen Blick auf den Anschluss endet.

Phase 1: Materialkunde – warum Standard-Messing an Bord nichts zu suchen hat

Bevor der Schraubenschlüssel angesetzt wird, lohnt ein Blick auf das Bauteil, das ersetzt werden soll. Viele Segelyachten – gerade ältere Fahrtenyachten – haben Borddurchführungen und Ventile aus sogenanntem Standardmessing oder Automatenmessing. Das Material ist günstig, lässt sich gut bearbeiten und sieht von außen oft lange ordentlich aus.

Das Problem sitzt im Inneren. Messinglegierungen wie CW617N, auch als MS58 bekannt, können im Seewasser zur Entzinkung neigen. Dabei wird Zink aus der Legierung herausgelöst. Zurück bleibt eine poröse, kupferreiche Struktur, die mechanisch deutlich weniger belastbar ist als das ursprüngliche Material. Die Oberfläche kann dabei noch erstaunlich unauffällig wirken. Der kritische Zustand zeigt sich oft erst beim Betätigen, beim Lösen einer Verschraubung oder beim Versuch, einen Schlauchanschluss zu bewegen.

Ein Ventil kann dann durchdrehen, am Gewinde reißen oder sich nicht mehr zuverlässig schließen lassen. Mir ist genau das bei der Vorbereitung einer Atlantikreise passiert: Das Ventil am Seewasseranschluss des Motors sah von oben völlig unauffällig aus. Als ich es zum Reinigen des Filters schloss und wieder öffnete, zerfiel der Gehäusekörper regelrecht.

Das ist der Moment, in dem aus einer Wartungsarbeit eine Sicherheitsfrage wird. Ein Seeventil unterhalb der Wasserlinie muss nicht nur funktionieren, sondern auch mechanische Belastungen aushalten. Beim Öffnen und Schließen wirken Drehmomente auf den Borddurchlass. Dazu kommen Vibrationen des Motors, Bewegungen des Schiffes und die Kräfte, die ein steifer oder ungünstig verlegter Schlauch auf den Anschluss überträgt.

Für das Erneuern der Borddurchlässe kommen an einer Fahrtenyacht im Wesentlichen zwei Materialgruppen infrage: Bronze beziehungsweise Rotguss oder glasfaserverstärkter Komposit-Kunststoff.

Bronze, Rotguss oder Komposit?

Hochwertiger Rotguss und geeignete Bronzelegierungen sind im maritimen Einsatz seit Langem bewährt. Sie sind robust, temperaturfest und bei korrekter Spezifikation widerstandsfähig gegen die Bedingungen im Seewasser. Ihr Nachteil liegt nicht nur im Preis. Metall bringt immer auch Fragen der Elektrochemie mit sich. Treffen Werkstoffe mit unterschiedlichem elektrochemischem Potenzial aufeinander, können galvanische Prozesse eine Rolle spielen. Verbindungen, Isolationen und gegebenenfalls das Anodensystem müssen zum gesamten Bordkonzept passen.

Die zweite Möglichkeit sind Ventile aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Beim Einbau moderner Komposit-Ventile wird im Fahrtenyachtbereich häufig auf TruDesign zurückgegriffen. Der Werkstoff ist elektrisch nicht leitfähig und kann deshalb keine galvanische Korrosion wie ein metallisches Bauteil verursachen. Das nimmt dem System eine Fehlerquelle, ersetzt aber nicht die sorgfältige Montage.

Komposit ist nicht automatisch unverwundbar. Ein Ventil kann durch falsche Montage, übermäßiges Anziehen, Stoßbelastung oder einen ungünstig verlegten Schlauch beschädigt werden. Auch die passende Gewindegröße und der richtige Anschluss müssen stimmen. Der Vorteil liegt darin, dass der Werkstoff selbst nicht entzinkt und nicht mit benachbarten Metallteilen in derselben Weise elektrochemisch reagiert.

Kompositventile sind nicht nur eine Alternative zu Messing – sie eliminieren eine Fehlerkategorie, die bei Metallarmaturen an Bord nie ganz verschwindet.

Vor dem Kauf muss der Einbauraum ausgemessen werden. Kompositventile sind in den Außenabmessungen oft voluminöser als Metallventile mit gleicher Gewindegröße. Unter einem Waschbecken, in einer engen Vorschiffsluke oder hinter einer Möbelverkleidung kann das entscheidend sein. Auch die Stellung des Hebels gehört in die Planung: Er muss sich vollständig bewegen lassen, ohne an einem Schlauch, einer Schottwand oder einer Bodenplatte anzuschlagen.

Die Normen sind dabei ein wichtiger Orientierungspunkt. ISO 9093 beschreibt Anforderungen an Borddurchführungen und Seeventile für kleine Wasserfahrzeuge. Für Kunststoffarmaturen ist insbesondere der entsprechende Teil der Norm relevant. Zusätzlich kann ABYC H-27 als weiterer Referenzrahmen für Seeventile und Schlauchverbindungen herangezogen werden. Eine Normangabe auf dem Produkt ersetzt keine Prüfung der Einbausituation, ist aber deutlich aussagekräftiger als eine allgemeine Händlerbeschreibung.

Phase 2: Alte Borddurchlässe demontieren

Der Ausbau alter Borddurchlässe gehört zu den Arbeiten, die entweder in kurzer Zeit erledigt sind oder sich über viele Stunden hinziehen. Der Unterschied liegt selten in der Kraft. Er liegt in der Vorbereitung, im passenden Werkzeug und in der Bereitschaft, nicht sofort zur groben Methode zu greifen.

Vor dem Krantermin

Bevor das Boot trockenliegt, sollte eine vollständige Bestandsaufnahme vorliegen. Geh jedes System durch:

  • Motorkühlung und Seewasserfilter
  • Spülen und Waschbecken
  • Salzwasserpumpen
  • Bilgenpumpen
  • WC-Zulauf und WC-Abwasser
  • Abläufe unterhalb der Wasserlinie
  • mögliche zusätzliche Anschlüsse für Heizung, Klimaanlage oder Generator

Notiere für jeden Einbauort den Durchmesser des Borddurchlasses, die Gewindegröße des Ventils, den Schlauchinnendurchmesser und die Einbaurichtung. Fotos helfen später beim Zusammenbau, besonders dort, wo mehrere Schläuche dicht nebeneinander verlaufen. Ein Foto von oben zeigt außerdem oft nicht, wie viel Platz hinter dem Ventil tatsächlich vorhanden ist.

Die Bestandsliste ist Einkaufszettel und Montageplan zugleich. Sie verhindert, dass im Trockendock ein passendes Ventil fehlt oder ein neuer Schlauch nicht auf den vorgesehenen Anschluss passt. Auch die Schlauchschellen sollten nicht erst nach dem Ausbau zusammengesucht werden. Unterhalb der Wasserlinie gehört ausschließlich geeignetes, korrosionsbeständiges Material in die Verbindung.

Danach folgt die Zustandsprüfung. Ein Bronzeventil, das sich leicht und vollständig bewegen lässt, keine auffällige Korrosion zeigt und mechanisch stabil wirkt, muss nicht automatisch herausgerissen werden. Wenn jedoch mehrere Bauteile derselben Generation verbaut sind, kann ein gemeinsamer Austausch sinnvoll sein. Das gilt besonders dann, wenn das Boot ohnehin trockenliegt und die Zugänglichkeit später wieder eingeschränkt wäre.

Ausbau ohne unnötige Schäden

Von innen werden zunächst die Schläuche gelöst. Dabei sollte das Ventil oder der Borddurchlass immer gegengehalten werden. Wird nur am Schlauch oder am Ventilkörper gedreht, kann sich die Dichtfläche im Laminat bewegen. Bei alten, korrodierten Gewinden ist außerdem damit zu rechnen, dass der Schlauchanschluss nicht freiwillig nachgibt.

Der eigentliche Borddurchlass wird meist von außen bearbeitet. Bei einem Flansch aus Messing oder Bronze kann der äußere Kragen vorsichtig ausgebohrt werden. Ein Kegelsenker oder ein Stufenbohrer erlaubt es, Material kontrolliert abzutragen. Ziel ist nicht, möglichst schnell durch den Flansch zu bohren, sondern ihn so weit auszudünnen, dass sich das Reststück von innen herausdrücken oder herausziehen lässt.

Die Bohrtiefe muss dabei immer wieder kontrolliert werden. Der Rumpf soll nicht unnötig beschädigt werden, und besonders die äußere Gelcoat-Schicht verdient Aufmerksamkeit. Wenn der Flansch unter Spannung steht, kann er sich beim letzten Arbeitsgang lösen. Deshalb sollte die Innenseite frei zugänglich sein und eine zweite Person das Bauteil sichern.

Bei besonders festsitzenden Teilen kann ein Winkelschleifer helfen. Eine dünne Trennscheibe und eine ruhige Hand sind dabei wichtiger als Druck. Der Flansch wird vorsichtig angeschnitten, bis er sich mit einem geeigneten Werkzeug lösen lässt. Nicht in das Laminat schneiden, nicht blind in Richtung Rumpf arbeiten und den Funkenflug in der Nähe von Polstern, Kraftstoffleitungen oder empfindlichen Oberflächen berücksichtigen.

Bei Komposit- oder Kunststoffteilen ist die Vorgehensweise teilweise anders. Das Material lässt sich oft leichter trennen, kann aber bei zu hoher Wärmeentwicklung schmieren oder ausfransen. Auch hier gilt: kontrolliert arbeiten und die angrenzende Rumpfstruktur nicht als Arbeitsfläche behandeln.

Die Öffnung wird nach dem Ausbau sofort gegen Verschmutzung und eindringendes Wasser geschützt. Ein passender Stopfen ist besser als ein loses Tuch. Auch im Trockendock können Regenwasser, Restwasser im Rumpf oder Kondensat zum Problem werden. Die Öffnung bleibt so lange geschützt, bis die Vorbereitung für den neuen Borddurchlass beginnt.

Phase 3: Rumpf vorbereiten und Bordventile dicht einkleben

Der Ausbau ist nur die halbe Arbeit. Die langfristige Dichtigkeit entsteht nicht durch eine dicke Schicht Dichtstoff, sondern durch eine passende Geometrie, saubere Oberflächen und eine belastbare Verbindung zwischen Borddurchlass und Rumpf.

Nach dem Entfernen des alten Bauteils wird die Bohrung vollständig gereinigt. Alte Dichtstoffreste müssen mechanisch entfernt werden. Dabei darf die Rumpfoberfläche nicht unnötig ausgerissen werden. Eine glatte, tragfähige und trockene Kante ist die Grundlage für den weiteren Aufbau.

Das Laminat rund um die Öffnung wird auf weiche, bröselige oder feuchte Bereiche geprüft. Ist die Bohrung ausgefranst oder hat sich Feuchtigkeit in den Rand eingearbeitet, reicht einfaches Überstreichen mit Dichtmasse nicht aus. Beschädigtes Material muss entfernt und die Struktur mit geeignetem Epoxidharz und Glasgewebe wieder aufgebaut werden. Die Reparatur braucht anschließend ausreichend Zeit zum Aushärten.

Gerade bei älteren Rümpfen lohnt sich ein genauer Blick auf die Bohrung. Eine kleine Unebenheit unter dem Flansch kann später dazu führen, dass der Dichtstoff an einer Stelle sehr dünn und an einer anderen Stelle unnötig dick liegt. Auch der Flansch des neuen Borddurchlasses sollte plan aufliegen. Vor dem eigentlichen Verkleben wird das Bauteil deshalb trocken eingesetzt. Dabei lassen sich Einbaurichtung, Hebelstellung, Gewindelänge und Platz für die Schlauchführung kontrollieren.

Dichtstoff ist kein Montagefett

Für die Verbindung wird ein für den maritimen Einsatz geeigneter Dichtstoff verwendet. Welches Produkt geeignet ist, hängt vom Material, der Rumpfkonstruktion und den Angaben des Herstellers ab. Dichtstoffe unterscheiden sich in Haftung, Elastizität, Aushärteverhalten und späterer Demontierbarkeit. Ein beliebiges Sanitärprodukt aus dem Baumarkt ist kein Ersatz für eine geprüfte marine Dichtmasse.

Der Dichtstoff gehört nicht nur auf die sichtbare Unterseite des Flansches. Auch die Bohrungswand muss in die Abdichtung einbezogen werden, damit zwischen Laminat und Borddurchlass kein offener Weg für Wasser bleibt. Gleichzeitig darf die Masse nicht unkontrolliert in das Gewinde oder in den Ventilkörper gedrückt werden. Ein sauberer Auftrag ist besser als ein möglichst großer Materialüberschuss.

Das Bauteil wird von außen eingesetzt und von innen mit der vorgesehenen Mutter beziehungsweise Gegenmutter gesichert. Dabei wird nicht versucht, den Flansch mit Gewalt in den Rumpf zu pressen. Zu starkes Anziehen kann Dichtstoff herausdrücken, den Flansch verformen oder die Rumpfstruktur belasten. Die Montageanweisung des Herstellers ist hier maßgeblich.

Überschüssiger Dichtstoff wird geglättet, solange er noch verarbeitbar ist. Die äußere Dichtkante soll geschlossen und sauber sein, nicht wie eine unregelmäßige Wurst um den Flansch liegen. Nach der Aushärtung lässt sich die Masse nur noch mechanisch entfernen, und dabei kann die neue Dichtfläche beschädigt werden.

Ein dicht eingeklebtes Bootsventil entsteht durch Vorbereitung, nicht durch eine besonders dicke Dichtstoffraupe.

Die Aushärtezeit darf nicht nach Gefühl verkürzt werden. Angaben auf der Kartusche beziehen sich auf bestimmte Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen. In einem kalten Trockendock im Frühjahr kann die Reaktion deutlich langsamer ablaufen. Das gilt besonders dann, wenn der Dichtstoff in einer geschützten Fuge liegt und nur wenig Feuchtigkeit oder Wärme an die Verbindung gelangt.

Während der Aushärtung sollte das Ventil nicht belastet werden. Schläuche werden erst angeschlossen, wenn die Verbindung ausreichend fest ist. Ein schwerer, steifer Schlauch kann sonst bereits vor dem ersten Wasserkontakt am frisch montierten Borddurchlass ziehen.

Phase 4: TruDesign-Seeventile einbauen, Schläuche anschließen und prüfen

Nach der Aushärtung beginnt der letzte, aber keineswegs nebensächliche Teil des Projekts. Jetzt werden Ventil, Schlauch und Schlauchschellen zu einem System. Ein gut verklebter Borddurchlass kann durch eine schlecht ausgeführte Schlauchverbindung trotzdem zum Risiko werden.

Die Schlauchführung sollte möglichst direkt und spannungsfrei erfolgen. Der Schlauch darf nicht so kurz sein, dass er den Ventilanschluss seitlich belastet. Er darf aber auch nicht in einer engen Schleife liegen, in der sich Wasser sammelt oder der Schlauch an scharfen Kanten scheuert. Bewegliche Teile, Motorlager und Wartungsöffnungen müssen berücksichtigt werden.

Für Verbindungen unterhalb der Wasserlinie werden grundsätzlich zwei geeignete Schlauchschellen verwendet, sofern die Einbausituation und die geltenden Vorgaben das vorsehen. Die Schellen müssen aus korrosionsbeständigem Material bestehen, den Schlauch gleichmäßig umfassen und auf einem ausreichend langen, glatten Anschlussbereich sitzen. Sie werden versetzt zueinander angeordnet, damit nicht beide Schraubgehäuse an derselben Stelle liegen.

Keine Kabelbinder, keine improvisierten Federklemmen und keine einzelne rostige Schelle gehören an einen sicherheitsrelevanten Anschluss unterhalb der Wasserlinie. Auch eine optisch saubere Verbindung ist nicht automatisch belastbar. Entscheidend ist, dass Schlauch, Anschlussstutzen und Schellen zueinander passen.

Beim Einbau von TruDesign-Seeventilen ist darauf zu achten, dass der Kompositkörper nicht mit übermäßiger Kraft belastet wird. Kunststoffgewinde und Kunststoffkörper verzeihen kein unkontrolliertes Anziehen. Der Hebel muss sich vollständig zwischen den Endstellungen bewegen lassen. Eine Markierung am Griff kann helfen, den geöffneten und geschlossenen Zustand auf einen Blick zu erkennen, besonders in schlecht zugänglichen Bereichen.

Ein weiterer Punkt ist die Bedienbarkeit. Ein Seeventil, das zwar technisch funktioniert, aber nur mit einer Zange oder nach dem Ausbau eines Möbelteils erreicht werden kann, ist im Bordalltag ein schlechtes Ventil. Die Crew muss im Notfall wissen, welches Ventil zu welchem System gehört und wie es geschlossen wird. Das ist keine Frage von Komfort, sondern von Reaktionszeit.

Dichtigkeitsprüfung vor dem Einwassern

Vor dem Einwassern werden alle neuen Verbindungen kontrolliert. Der Flansch am Rumpf, die Verschraubung zwischen Borddurchlass und Ventil, der Ventilkörper und jeder Schlauchanschluss gehören auf die Prüfliste. Die Hebel werden mehrfach bewegt, ohne dabei rohe Kraft anzuwenden.

Eine Druckprüfung kann zusätzliche Sicherheit geben, wenn sie mit geeigneten Prüfmitteln und einem für die Bauteile angemessenen Druck durchgeführt wird. Dabei darf kein unnötig hoher Druck aufgebaut werden. Das Ziel ist nicht, die Konstruktion bis zur Belastungsgrenze zu testen, sondern Undichtigkeiten und Montagefehler zu erkennen.

Nach dem Einwassern wird jeder erneuerte Anschluss unmittelbar kontrolliert. Ein trockener Lappen macht kleine Mengen Wasser sichtbar, die auf einer glänzenden oder verschmutzten Oberfläche leicht übersehen werden. Die Prüfung sollte nach einer kurzen Wartezeit wiederholt werden, weil sich Wasser manchmal zunächst nur langsam entlang einer Kante bewegt.

Jede Leckage unterhalb der Wasserlinie ist sofort prüfbedürftig. Eine feuchte Stelle, ein einzelner Tropfen oder ein nasser Rand wird nicht als normale Setzbewegung abgetan, sondern verfolgt: Wo beginnt das Wasser tatsächlich? Kommt es aus der Schlauchverbindung, aus dem Gewinde, unter dem Flansch hervor oder läuft es von einer höher gelegenen Stelle herab? Erst wenn die Ursache eindeutig gefunden und behoben ist, ist die Verbindung wieder vertrauenswürdig.

Bei einer nicht eindeutig lokalisierbaren oder nicht sofort behebbare Leckage sollte das Boot nicht einfach weiterbetrieben werden. Je nach Situation kann es notwendig sein, das Ventil zu entlasten, den betroffenen Schlauch zu sichern oder das Schiff erneut aus dem Wasser zu nehmen. Unterhalb der Wasserlinie gibt es keine verlässliche Lecktoleranz, auf die man sich im Alltag verlassen könnte.

Nach der Montage: Bedienung und Kontrolle gehören dazu

Der erste Törn ist nicht der Zeitpunkt, an dem man erstmals herausfinden sollte, ob die neuen Ventile erreichbar und verständlich angeordnet sind. Im Hafen lassen sich die Hebel in Ruhe öffnen und schließen. Dabei wird geprüft, ob sie in beiden Endstellungen eindeutig stehen und ob die angeschlossenen Systeme wie erwartet reagieren.

Die Motorkühlung wird nach dem Start kontrolliert. Bei einem Seewasserfilter lässt sich beobachten, ob Wasser angesaugt wird und ob die Verbindung trocken bleibt. Bei Waschbecken- und Pumpensystemen werden die Schläuche belastet, indem die angeschlossenen Verbraucher tatsächlich benutzt werden. Auch die Bilgenpumpe gehört in diese Prüfung, sofern sie über einen erneuerten Borddurchlass führt.

Die Crew sollte wissen, welche Ventile im Normalbetrieb geöffnet bleiben und welche geschlossen werden. Eine einfache Beschriftung kann helfen, besonders wenn mehrere ähnliche Hebel nebeneinander liegen. Sie sollte dauerhaft lesbar sein und nicht erst gesucht werden müssen, wenn bereits Wasser im Schiff steht.

Nach den ersten Betriebsstunden werden die Verbindungen erneut kontrolliert. Ein Schlauch kann sich unter Belastung anders setzen als bei der Montage auf dem Trockenen. Die Schellen werden nicht routinemäßig immer fester angezogen, sondern auf ihren Sitz geprüft. Nachziehen ist nur dann sinnvoll, wenn es die Montageanweisung zulässt und die Verbindung tatsächlich Spiel zeigt.

Das Tauschen von Seeventilen gehört zu den Arbeiten, die auf den ersten Blick kompliziert wirken und sich bei guter Vorbereitung als erstaunlich geradlinig erweisen. Der entscheidende Faktor ist nicht spektakuläres handwerkliches Geschick, sondern Geduld in den einzelnen Phasen: die richtige Materialwahl, eine kontrollierte Demontage, eine saubere Rumpfvorbereitung, ein fachgerechter Einbau und eine konsequente Prüfung.

Wer Bordventile austauscht, erneuert nicht bloß ein altes Stück Metall oder Kunststoff. Er überarbeitet eine sicherheitsrelevante Verbindung zwischen Innenraum und Wasser. Genau deshalb verdienen Seeventile an der Fahrtenyacht mehr Aufmerksamkeit als ein kurzer Blick unter das Waschbecken. Stimme, Material und Dichtigkeit müssen am Ende zusammenpassen – dann wird aus einer aufwendigen Arbeit eine Verbesserung, die an Bord viele Jahre Ruhe schafft.

Häufige Fragen

Welches Material eignet sich für Seeventile auf einer Segelyacht?
Für Borddurchlässe und Seeventile kommen im Wesentlichen geeignete Bronze- beziehungsweise Rotgusslegierungen oder glasfaserverstärkter Komposit-Kunststoff infrage. Die passende Wahl hängt auch von Einbausituation, Gewindegröße und dem gesamten Bordkonzept ab.
Warum ist Standardmessing für Seeventile problematisch?
Legierungen wie CW617N beziehungsweise MS58 können im Seewasser zur Entzinkung neigen. Dabei entsteht eine poröse, kupferreiche Struktur, die mechanisch deutlich weniger belastbar ist.
Wie werden alte Borddurchlässe ausgebaut?
Zunächst werden die Schläuche von innen gelöst, wobei Ventil oder Borddurchlass gegengehalten werden. Der äußere Flansch kann vorsichtig ausgebohrt oder bei besonders festsitzenden Teilen kontrolliert mit einer dünnen Trennscheibe bearbeitet werden, ohne das Laminat zu beschädigen.
Wie wird ein neuer Borddurchlass am Rumpf abgedichtet?
Die Bohrung wird von alten Dichtstoffresten befreit und auf weiche, bröselige oder feuchte Bereiche geprüft. Ein geeigneter maritimer Dichtstoff wird auf den Flansch und die Bohrungswand aufgetragen; anschließend muss die Verbindung gemäß Herstellerangaben aushärten.
Wie prüft man neue Seeventile nach dem Einbau?
Vor dem Einwassern werden Flansch, Verschraubungen, Ventilkörper und Schlauchanschlüsse kontrolliert und die Hebel mehrfach bewegt. Nach dem Einwassern wird jeder erneuerte Anschluss mit einem trockenen Lappen auf Feuchtigkeit geprüft und die Kontrolle nach kurzer Wartezeit wiederholt.