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Leben an Bord

Proviantierung auf Langfahrt: 6 Wege zur optimalen Stauraumnutzung

Irgendwann auf jeder Langfahrt kommt der Moment, in dem man die Pantry öffnet, den halbvollen Sack Nudeln betrachtet, drei verschiedene Reissorten nebeneinander sieht und sich eingesteht: Hier passt nichts mehr hinein.

Proviantierung auf Langfahrt: 6 Wege zur optimalen Stauraumnutzung

Das ist nicht automatisch ein Versagen der Planung, sondern zunächst einmal Physik. Eine Serienyacht zwischen zwölf und fünfzehn Metern Länge hat ungefähr so viel Pantry-Stauraum wie eine durchschnittliche Singleküche in einer Berliner Altbauwohnung – nur dass der Herd bei Seegang quer steht und jeder Zentimeter Regal dreimal überdacht werden muss, bevor man ihn belegt.

Ich segle seit Jahrzehnten auf der MANATEE, einer klassischen Segelyacht, und das Thema Proviantierung hat mich mehr Nerven gekostet als manches Sturmrevier. Dabei geht es nicht darum, möglichst viel an Bord zu schleppen. Entscheidend ist, den vorhandenen Raum so zu organisieren, dass man ihn wiederfindet, dass nichts verdirbt und dass bei Krängung nicht die halbe Küche auf Wanderschaft geht. Wer die sechs Wege kennt, die sich in der Praxis bewährt haben, kommt mit dem aus, was die Pantry hergibt – und hat am Ende sogar noch Platz für das eine oder andere gute Stück.

Auf einer Langfahrt ist der Stauraum kein Bonus, er ist die Bilanz. Jeder Karton, der hereinkommt, ist ein Karton, der irgendwo auch wieder heraus muss.

Systematisch umverpacken statt Herstellerlogik behalten

Der erste Weg ist der, vor dem die meisten Crews zurückschrecken, weil er langweilig klingt und nach Arbeit aussieht: Alles wird umgefüllt, bevor es in die Staufächer kommt. Hersteller verkaufen ihre Waren in Verpackungen, die für den Supermarkt und die heimische Küche optimiert sind, nicht für eine Segelyacht. Pasta kommt in 500-Gramm-Beuteln, die wie Luftballons in einer Kiste liegen. Reis steckt in dünnen Pappkartons. Gewürze kommen in Gläsern, die auf dem Regal einer Landküche ihren Sinn haben, an Bord aber unnötig viel Raum beanspruchen und bei der ersten gröberen Bewegung klappern.

Auf einer Yacht hat diese Verpackungslogik wenig verloren. Wer für mehrere Wochen Überfahrt bevorratet, schüttet die trockenen Grundnahrungsmittel am heimischen Küchentisch in stapelbare, luftdichte Behälter um. Idealerweise haben die Behälter dieselbe Grundfläche und einige wenige, gut zueinander passende Grössen. Erst dann entsteht ein System, das sich wirklich stapeln lässt, statt aus Einzelteilen zu bestehen, die bei jeder Entnahme neu sortiert werden müssen.

Mein Standardmass für Proviantkisten an Bord der MANATEE beträgt 60 × 50 Zentimeter. Diese Kisten passen durch die Luken, in die Bilgentaschen und unter die Böden der Backskisten. Darin liegen portionsweise Pasta, Reis, Linsen, Haferflocken und andere trockene Grundnahrungsmittel – in Vakuumbeuteln oder Schraubdosen, beschriftet mit wasserfestem Stift und nach Verbrauchsreihenfolge sortiert.

Entscheidend ist dabei nicht nur die Form des Behälters. Auch der Inhalt sollte an die tatsächliche Nutzung angepasst werden. Eine grosse Dose mit Reis, aus der täglich geschöpft wird, ist unter Umständen weniger praktisch als mehrere kleinere Portionen. Die kleinere Einheit lässt sich bei Bedarf in die Pantry holen, bleibt dort trocken und muss nicht jedes Mal aus einem tiefen Stauraum herausgezogen werden. Bei Mehl, Haferflocken und Müsli verhindert die Aufteilung ausserdem, dass nach dem Öffnen gleich der gesamte Vorrat Feuchtigkeit zieht.

Beschriften, datieren, sichtbar lagern

Der zweite Nebeneffekt des Umfüllens ist fast wichtiger als der gewonnene Platz: Man sieht auf einen Blick, was wirklich da ist. Wer kennt das nicht? Drei Monate nach dem Auslaufen sucht man nach Salz und findet vier verschiedene Sorten, während der Pfeffer längst alle ist. Mit beschrifteten Behältern verschwindet dieses Phänomen nicht vollständig, aber es wird beherrschbar.

Auf jede Dose gehören Inhalt und, bei empfindlicheren Waren, das Datum des Umfüllens oder Öffnens. Bei Grundnahrungsmitteln reicht meist eine grobe Sortierung. Bei Gewürzen, Nüssen, Vollkornprodukten und Trockenfrüchten lohnt sich die genauere Kennzeichnung, weil diese Produkte schneller an Aroma verlieren oder bei Wärme eher ranzig werden können.

Die Behälter sollten nicht so gross sein, dass sie nur mit Mühe bewegt werden können. Auf einer Yacht ist ein Vorrat, den niemand aus dem Fach bekommt, praktisch nicht vorhanden. Das gilt besonders für tiefe Schapps und für die Räume unter den Salonbänken. Dort liegen besser mehrere handhabbare Kisten als eine einzige, die nur mit zwei Personen herausgehoben werden kann.

Die Bilge als temperierter Lagerraum für schwere Gebinde

Die Bilge hat in der modernen Seglerliteratur keinen besonders guten Ruf. Sie gilt als feucht, übelriechend und als Ort, an dem sich Wasser sammelt, das die Pumpe dann wegschafft. Tatsächlich ist eine trockene, saubere Bilge – und bei einer gut gewarteten Yacht sollte sie das sein – einer der nützlichsten Lagerräume überhaupt.

Unterhalb der Wasserlinie ist es meist kühler und dunkler als in der Pantry. Die Temperatur schwankt weniger stark, und schwere Gebinde belasten dort weder die Schapps noch die oberen Bereiche der Yacht. Genau deshalb gehören grosse Wasserflaschen, Konserven, haltbare Säfte und andere schwere Vorräte eher nach unten als in ein hoch gelegenes Pantryfach. Auch Kartoffeln und Zwiebeln lassen sich dort lagern, sofern sie trocken bleiben, ausreichend belüftet werden und nicht direkt auf einer feuchten Oberfläche liegen.

Auf der MANATEE nutze ich die Bilgentaschen für 1,5-Liter-Flaschen und grössere Gebinde im Wechsel, damit der Schwerpunkt möglichst mittig bleibt. Das ist kein Detail für Perfektionisten. Eine ungleichmässig beladene Yacht kann sich spürbar anders anfühlen, besonders wenn zusätzlich Wasser, Diesel, Werkzeug oder Ersatzteile an Bord kommen. Proviantierung ist deshalb immer auch Gewichtsverteilung.

Ein Wort zur Warnung, das in vielen Anleitungen unterschlagen wird: Vorratsdosen ohne feste Sicherung verrutschen auch in der Bilge, wenn die Yacht stampft. Wer die Bilge als Lager benutzt, muss die Behälter mit Zurrgurten, Klemmleisten oder einer einfachen Schottsicherung gegen Verrutschen fixieren. Sonst hat man bei der nächsten Bö nicht zu wenig Pasta, sondern zu viel davon – verteilt über den gesamten Bilgenraum.

Was in der Bilge nichts zu suchen hat

Nicht jedes Lebensmittel profitiert von der Lagerung unterhalb der Pantry. Empfindliche Produkte, die Feuchtigkeit aufnehmen, gehören in dichte Behälter. Kartons, offene Säcke und Papierverpackungen sind dort fehl am Platz. Ebenso sollten Lebensmittel nicht neben Reinigungsmitteln, Farben, Kraftstoffkanistern oder stark riechenden technischen Materialien liegen. Ein dichter Deckel verhindert zwar Feuchtigkeit, aber nicht jede Geruchsübertragung.

Vor dem Einräumen wird die Bilge gereinigt und getrocknet. Danach hilft eine einfache Einteilung: schwere und robuste Vorräte nach unten, häufig benötigte Dinge weiter nach oben oder näher an die Zugangsöffnung. Die Konserven für das Abendessen sollten nicht unter dem gesamten Wasservorrat verschwinden. Sonst spart man zwar Stauraum, verliert ihn aber wieder durch unnötige Sucherei.

Stufenweise bevorraten statt eines einzigen Grosseinkaufs

Auf vielen Yachten wird die Versorgung stufenweise ergänzt, besonders bei frischen Lebensmitteln. Ob eine Atlantiküberquerung vollständig am Ausgangshafen provisioniert werden kann, hängt von Yacht, Crew, Route und Reisedauer ab. Bei ausreichend Stauraum und einer klaren Planung ist das durchaus möglich. Auf anderen Booten ist es sinnvoller, die Versorgung in Etappen zu denken und bestimmte Waren unterwegs nachzukaufen.

Das ist keine Frage von Abenteuerromantik, sondern von Verbrauch und Haltbarkeit. Frisches Gemüse, Brot, Milchprodukte und Obst lassen sich nicht genauso behandeln wie Reis, Linsen oder Konserven. Wer alles am ersten Tag einkauft, besitzt zwar formal einen vollständigen Vorrat, aber nicht unbedingt sechs Wochen später noch eine brauchbare Auswahl.

Auf einer Karibik-Runde kann das bedeuten, in Europa oder auf den Kanaren die trockenen Grundnahrungsmittel für mehrere Wochen zu laden und frische Waren später in den bekannten Versorgungsrevieren zu ergänzen. Auf Martinique oder Guadeloupe kommen Obst und Gemüse an Bord, während Konserven, H-Milch oder einzelne Spezialitäten nach Bedarf nachgekauft werden. Auf einer anderen Route kann diese Reihenfolge anders aussehen. Der Grundsatz bleibt: Haltbares wird langfristig geplant, Frisches nach tatsächlichem Verbrauch.

Diese Methode hat zwei Vorteile. Man hat nur so viel empfindliche Ware an Bord, wie man in absehbarer Zeit verbrauchen kann. Und man isst eher das, was in der Region gerade verfügbar und saisonal ist. Der Kühlschrank wird weniger zur Müllhalde verdammter Salatköpfe und bleibt stattdessen ein Lager für das, was in den nächsten Tagen tatsächlich auf den Tisch kommt.

Wer für sechs Monate plant, plant für sechs Monate weg. Wer für drei Wochen plant, segelt – und isst unterwegs auf.

Stufenweise Proviantierung verlangt allerdings eine ehrliche Verbrauchsplanung. Vor dem Ablegen sollte die Crew wissen, wie viele Mahlzeiten normalerweise an Bord gekocht werden, wie häufig unterwegs gebacken wird und ob einzelne Crewmitglieder besondere Vorräte brauchen. Ein Crewmitglied, das morgens Haferflocken isst, ein anderes, das nur Brot möchte, und ein drittes, das auf bestimmte Unverträglichkeiten achten muss, verändern die Mengen stärker als jede abstrakte Durchschnittsrechnung.

Bewährt hat sich eine einfache Trennung:

  • Langfristiger Vorrat: Reis, Pasta, Hülsenfrüchte, Mehl, Öl, Gewürze und Konserven.
  • Etappenvorrat: Brot, Käse, Eier und Gemüse für die nächsten Tage oder Wochen.
  • Notvorrat: Lebensmittel, die ohne Kühlung auskommen und auch bei einer Routenänderung verfügbar bleiben.

So bleibt die Proviantplanung beim Blauwassersegeln flexibel. Der Vorrat ist nicht kleiner, nur weil er anders verteilt wird. Er ist zugänglicher und passt besser zum tatsächlichen Alltag an Bord.

Haltbarmachung: Einkochen, Einsalzen, Einlegen und Fermentieren

Der vierte Weg ist uralt und passt deshalb besonders gut auf ein Schiff mit Patina. Wer konsequent einkocht, einsalzt, einlegt oder fermentiert, gewinnt nicht nur Haltbarkeit, sondern entlastet auch den Kühlschrank. Ein Glas mit fermentiertem Kraut, ein eingekochtes Ragout oder eingelegtes Gemüse bringt Abwechslung in den Speiseplan, ohne dass dafür jeden Tag frische Ware an Bord sein muss.

Dabei ersetzt traditionelle Haltbarmachung keine saubere Arbeitsweise. Gläser, Deckel und Hände müssen sauber sein, und eingekochte Lebensmittel gehören nur dann in den Vorrat, wenn sie zuverlässig erhitzt und dicht verschlossen wurden. Bei Unsicherheit wird ein Glas nicht probiert, sondern entsorgt. Auf einer Langfahrt ist Sparsamkeit sinnvoll; falscher Geiz bei verdorbenen Lebensmitteln ist es nicht.

MethodeEignet sich fürTypischer VorteilAufwand
EinkochenRagouts, Suppen, Saucen, KompottFertige Mahlzeiten ohne KühlungMittel
EinsalzenFleisch, Fisch, KäseGeringer PlatzbedarfGering bis mittel
EinlegenGemüse, Pilze, KäseSäure und Gewürze bringen AbwechslungGering
FermentierenKraut und anderes GemüseLange Nutzbarkeit und kräftiger GeschmackMittel

Ein Schnellkochtopf ist auf einer Langfahrt nicht nur ein energiesparendes Kochgerät, sondern auch ein besonders praktischer Helfer für vorbereitete Mahlzeiten. Wer ernsthaft einkochen möchte, kommt um ein geeignetes Gerät nicht herum. Auf der MANATEE hat sich ein robuster Schnellkochtopf bewährt, der sich sicher verschliessen lässt und auch bei leichtem Seegang nicht sofort zur Gefahr wird. Der moderne Dampfgarer mit empfindlicher Elektronik mag an Land angenehm sein; in einer kleinen Pantry zählt vor allem, ob ein Gerät stabil, einfach zu reinigen und platzsparend zu verstauen ist.

Auch beim Fermentieren muss die Pantryorganisation mitspielen. Gläser brauchen einen sicheren Platz, dürfen nicht zwischen anderen Vorräten umkippen und sollten so stehen, dass man sie kontrollieren kann. Ein Behälter, der wochenlang unbeachtet in einer dunklen Ecke steht, ist kein Vorratssystem, sondern ein späteres Problem.

Frisches Obst und Gemüse nicht als Grosspackung behandeln

Frischwaren verderben auf einer Yacht oft schneller als an Land. Wärme, Feuchtigkeit und die ständige Bewegung beschleunigen den Verfall. Wer hier nicht vorbereitet, hat nach kurzer Zeit einen Kühlschrank voller brauner Bananen, weicher Tomaten und Salat, der nur noch für den Kompost taugt.

Bewährt haben sich an Bord der MANATEE:

  • Wurzelgemüse in Papier gewickelt und trocken, dunkel sowie luftig gelagert.
  • Äpfel einzeln verpackt, damit beschädigte Früchte nicht den ganzen Vorrat beeinflussen.
  • Zitrusfrüchte in einem Netz an einem kühlen, luftigen Ort.
  • Salat in einem feuchten Tuch im Kühlschrank, ohne ihn luftdicht einzuschliessen.
  • Reife Bananen getrennt von anderem Obst und möglichst nicht in der wärmsten Ecke der Pantry.
  • Tomaten nicht grundsätzlich im Kühlschrank, sondern nach Reifegrad und geplantem Verbrauch sortiert.

Der wichtigste Grundsatz lautet: Nie mehr frische Ware kaufen, als in den nächsten Tagen vernünftig gegessen werden kann. Das klingt banal, ist aber eine der wirksamsten Lösungen bei Proviantierung, Platzmangel und unnötigem Lebensmittelverlust.

Stapelbare Kochsysteme und das Prinzip des einen Topfes

Der fünfte Weg betrifft die Pantry selbst, nicht nur ihren Inhalt. In einer durchschnittlichen Yachtküche stehen sich drei Töpfe, zwei Pfannen, ein Sieb und diverse Kleingeräte gegenseitig im Weg – wenn überhaupt genug Platz vorhanden ist, sie alle unterzubringen. Die Lösung ist konsequent: stapelbare Kochsets, möglichst mit abnehmbaren Griffen und Deckeln, die zu mehreren Gefässen passen.

Das System, das mir in den letzten Jahren am besten gefallen hat, ist das nesto von cookvision. Es besteht aus einem modularen Aufbau, bei dem Töpfe, Pfannen und Deckel sich tatsächlich zu einem kompakten Turm stapeln lassen. Mit einem Handgriff verschwindet das gesamte Set in der Pantry, statt in mehreren Schubladen und Schapps verteilt zu werden. Gerade bei der Küchenorganisation auf engem Raum ist das mehr wert als ein zusätzliches Spezialgerät.

Das Prinzip dahinter ist altmodisch: ein Topf, viele Aufgaben. Wasser kochen, Nudeln kochen, Suppe zubereiten, Gemüse dünsten und – sofern das Material dafür geeignet ist – vorbereitete Speisen erhitzen. Die meisten Crews kommen mit zwei Töpfen, einer Pfanne und einem Schnellkochtopf durch eine Langfahrt, wenn die Teile ineinanderpassen und sicher verstaut werden können.

Alles, was nicht stapelt, braucht an Bord eine gute Begründung. Das gilt für Töpfe genauso wie für Geschirr, Gläser und Besteck. Ein einzelner schwerer Topf, der nur für ein bestimmtes Gericht verwendet wird, kostet nicht nur Platz. Er blockiert unter Umständen das gesamte Fach, weil kein anderes Teil daneben oder darunter passt.

Sicherheit geht vor dem letzten Zentimeter

Stapelbarkeit darf nicht dazu führen, dass Kochgeschirr lose herumliegt. Griffe, Deckel und Pfannen müssen gegen Herausfallen gesichert werden. Ein Geschirrtuch zwischen den Teilen verhindert Klappern, ersetzt aber keine feste Stauung. Besonders gefährlich sind schwere Gegenstände in Fächern über Knie- oder Kopfhöhe. Bei einer plötzlichen Bewegung werden sie zu Geschossen.

Auch bei Tellern und Gläsern ist weniger oft mehr. Bruchsicheres Geschirr, das ineinandersteht, ist für die meisten Fahrten die vernünftigere Lösung. Wer an besonderen Abenden nicht auf Glas verzichten möchte, kann einige wenige Stücke separat sichern. Die Pantry sollte nicht nach der Anzahl der Dinge beurteilt werden, die hineinpassen, sondern danach, ob sie während des Kochens und bei Seegang benutzbar bleibt.

Frischwaren-Management und Lieferdienste in Übersee-Revieren

Der sechste und letzte Punkt ist der, der sich in den letzten Jahren am stärksten verändert hat – und der uns alte Segler ein wenig demütig macht. Ein sehr altes Problem bekommt eine moderne Lösung: In vielen Karibikrevieren gibt es mittlerweile appbasierte Lieferdienste, die frische Lebensmittel direkt an den Dinghysteg oder in die Marina bringen.

Auf Guadeloupe und Martinique übernimmt beispielsweise Paradise Foods diese Aufgabe. Bestellt und bezahlt wird per App, geliefert wird in Kisten, die sich in einer Etappe an Bord schaffen lassen. Solche Dienste sind natürlich keine Garantie für jede Marina und jede Saison. Öffnungszeiten, Lieferzonen, Mindestbestellmengen und die tatsächliche Verfügbarkeit einzelner Waren können sich ändern. Vor dem Einkauf lohnt sich deshalb ein kurzer Blick auf die aktuelle Situation vor Ort.

Trotzdem verändert diese Möglichkeit die Logik der Langfahrtproviantierung. Wer weiss, dass er in Fort-de-France oder Pointe-à-Pitre nachbestellen kann, muss nicht zwingend empfindliche Lebensmittel für die gesamte Reise ab dem Ausgangshafen einplanen. Die trockenen Grundnahrungsmittel kommen für die längere Strecke an Bord; frische Ware wird gezielt dort ergänzt, wo sie gebraucht wird.

Das spart Stauraum und reduziert Verderb. Vor allem aber verhindert es, dass man den Kühlschrank mit einer Menge füllt, die nur auf dem Einkaufszettel gut aussieht. Auf Martinique eine reife Mango zu essen, die nicht wochenlang im Schiffskühlschrank gelegen hat, schmeckt nach mehr als jede tiefgekühlte Flugmango aus dem Kanaren-Supermarkt.

Lieferdienste lösen allerdings nicht die gesamte Proviantfrage. Sie ersetzen weder einen Notvorrat noch die Planung für abgelegene Etappen. Ausserdem muss die Ware an Bord kontrolliert und sinnvoll verteilt werden. Frische Lebensmittel gehören nicht einfach in die erstbeste freie Ecke. Nach der Lieferung werden empfindliche Produkte nach Verbrauchsreihenfolge sortiert, schwere Gebinde in tiefere Bereiche gebracht und alles, was bald gegessen werden sollte, sichtbar in der Pantry abgelegt.

Die sechs Wege im Überblick

Wer die sechs Wege in eine gemeinsame Ordnung bringt, merkt: Es geht nicht um mehr Stauraum. Es geht darum, den vorhandenen Raum richtig zu nutzen und den Vorrat so zu verteilen, dass er zum Leben an Bord passt.

1. Grundnahrungsmittel umverpacken: Dosen und Beutel mit einheitlichen Grundflächen schaffen Ordnung, schützen vor Feuchtigkeit und machen den Bestand sichtbar.

2. Schwere und haltbare Gebinde in die trockene Bilge bringen: Dort liegen sie tief, sicher und mit weniger Einfluss auf die Gewichtsverteilung der Yacht.

3. Stufenweise bevorraten: Haltbares wird langfristig geladen, Frisches nach Route, Saison und tatsächlichem Verbrauch ergänzt.

4. Einkochen, Einsalzen, Einlegen und Fermentieren: Haltbarmachung entlastet den Kühlschrank und bringt Abwechslung in den Speiseplan.

5. Stapelbare Kochsysteme verwenden: Abnehmbare Griffe, passende Deckel und wenige vielseitige Gefässe schaffen Platz in der Pantry.

6. Frische Ware unterwegs nachbestellen: Lieferdienste in Übersee-Revieren können die Lagerdauer empfindlicher Lebensmittel deutlich verkürzen.

Ein Schiff ist kein Lagerhaus. Es ist ein Lagerhaus auf Zeit. Wer das verstanden hat, proviantiert nicht mehr einfach ein, sondern richtet sich ein.

Am Ende bleibt mir ein Hinweis, den ich gern früher gehabt hätte: Die beste Proviantierung ist nicht die, die auf dem Papier vollständig aussieht. Es ist die, die sich unterwegs korrigieren lässt. Kein Masterplan funktioniert in jedem Revier und für jede Crew gleich gut. Eine Yacht mit grosser Bilge, geräumiger Pantry und kleiner Crew wird anders provisioniert als ein voll besetztes Boot mit wenig Kühlraum. Eine lange Passage ohne Versorgungsmöglichkeit verlangt eine andere Reserve als eine Route mit regelmässig erreichbaren Marinas.

Was es aber gibt, ist ein verlässliches Handwerkszeug: passende Behälter, eine saubere Beschriftung, eine trockene und gesicherte Bilge, ein Schnellkochtopf, einige gute Schraubdeckel, stapelbares Kochgeschirr und die Bereitschaft, am Ausgangshafen nicht alles mitzunehmen, was der Supermarkt hergibt.

Die MANATEE liegt gerade wieder im Hafen. Die Pantry ist voll, die Bilge ist voll, die frischen Sachen sind nach Verbrauch sortiert, und der nächste Hafen ist in zwei Tagen erreichbar. So muss das.

Häufige Fragen

Warum sollte man Lebensmittel auf einer Yacht umverpacken?
Herstellerverpackungen sind für Supermärkte optimiert, nicht für den begrenzten Raum an Bord. Umfüllen in einheitliche Behälter ermöglicht effizientes Stapeln, schützt vor Feuchtigkeit und macht den Bestand besser sichtbar.
Was darf in der Bilge gelagert werden?
In einer trockenen und sauberen Bilge lassen sich schwere, haltbare Vorräte wie Konserven, Wasserflaschen und Säfte lagern. Auch Kartoffeln und Zwiebeln können dort liegen, sofern sie trocken und belüftet gelagert werden.
Wie verhindert man, dass Vorräte in der Bilge verrutschen?
Behälter in der Bilge müssen zwingend mit Zurrgurten, Klemmleisten oder Schottsicherungen gegen Verrutschen bei Seegang gesichert werden.
Wie lagert man frisches Obst und Gemüse am besten?
Wurzelgemüse sollte trocken und dunkel gelagert werden, Äpfel einzeln verpackt und Zitrusfrüchte in einem Netz an einem luftigen Ort. Tomaten und Bananen sollten je nach Reifegrad und Verbrauch sortiert werden, wobei Bananen getrennt von anderem Obst aufzubewahren sind.
Welche Vorteile bietet ein Schnellkochtopf auf Langfahrt?
Ein Schnellkochtopf ist energiesparend und eignet sich hervorragend für die Zubereitung von Mahlzeiten, die eingekocht oder haltbar gemacht werden sollen.