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Großbritannien im Seekajak: Was Segler von Ian Haywards Solo-Umrundung lernen können

In dem Bericht des Practical Boat Owner beschreibt Hayward seine Begeisterung für ein Wasserfahrzeug, das trocken fallen kann, und vergleicht ein Boot ohne diese Eigenschaft mit einem Flugzeug ohne Fahrwerk.

aktualisiert 08. September 2026

Großbritannien im Seekajak: Was Segler von Ian Haywards Solo-Umrundung lernen können

Wenn der Kayaker im Seglerclub auftaucht

Neulich landete ein ungewöhnlicher Gast im Rye Harbour Sailing Club: Ian Hayward, pensionierter Lehrer aus Norfolk, machte Station auf seiner Solo-Umrundung der britischen Hauptinsel – im Seekajak. Was auf den ersten Blick wenig mit Segeln zu tun hat, berührt doch genau das Herzstück unserer Leidenschaft: die Frage, was echte Freiheit auf dem Wasser eigentlich bedeutet. Und die Antwort, die Haywards Reise gibt, sollte jeden Segler nachdenklich stimmen, der sich gerade über knappe Hafenplätze oder marode Stege ärgert.

Freiheit ohne Hafen

Was Hayward beim Besuch im Seglerclub erklärte, fasst eine Sehnsucht zusammen, die wohl jeder Segler kennt, der schon einmal in der Dämmerung einen anlaufenden Hafen gesucht hat: die Vorstellung, einfach jedes beliebige Ufer ansteuern zu können wie ein Wikinger – ohne Hafen, ohne Marina, ohne Slipanlage. In dem Bericht des Practical Boat Owner beschreibt Hayward seine Begeisterung für ein Wasserfahrzeug, das trocken fallen kann, und vergleicht ein Boot ohne diese Eigenschaft mit einem Flugzeug ohne Fahrwerk. Sein Kajak „Goosejuice" bringt ihn auf rund 4.000 Kilometern im Uhrzeigersinn um die britische Küste, allein und ohne Unterstützung.

Für uns als Segler klingt das erst einmal nach einer ganz anderen Disziplin – doch die Küste ist dieselbe. Dieselben Gezeitenströme um Kap Wrath, dieselbe Dünung an der schottischen Westküste, dieselben tückischen Brandungszonen vor Cornwall. Hayward navigiert all das mit bloßem Arm und Paddelstärke, und er muss dabei jeden Strandabschnitt im Voraus bewerten: Wie steil fällt er ab? Gibt es Schutz vor auflaufender See? Wo kann ich überhaupt sicher an Land gehen? Fragen, die wir uns bei der Törnplanung mit der Yacht stellen – nur dass wir im Zweifel auf unser Sperrholz- oder GFK-Rumpf, die Seekarte und den Motor vertrauen können.

Was uns ein Kajak-Fahrer über Küstenwissen lehrt

Hayward ist kein Gelegenheitspaddler. Der Bericht beschreibt ihn als lebenslangen Kajakfahrer, der in der Lage ist, Eskimorollen und andere Sicherheitsmanöver jederzeit und beherrscht auszuführen – Fähigkeiten, die bei der langen Passage durch die oft rau schottische See unverzichtbar sind. Seine Route Clockwise um Großbritannien führt ihn durch Revierabschnitte, die auch für uns auf Segelyacht anspruchsvoll sind: die tidal gates an der schottischen Westküste, die rasanten Gezeiten vor Bristol Channel, die oft unterschätzte Nordseeküste mit ihren flachen Ansteuerungen.

Was mich persönlich berührt, ist der Perspektivwechsel. Wer die Küste aus einem offenen Kajak erlebt, bekommt ein Gespür für Strömung, Brandung und Wetter, das wir hinter unserer Reling manchmal verlieren. Hayward, so wird im Bericht beschrieben, gewinne durch diese Art der Umrundung eine intime Sicht auf das maritime Erbe der Insel – auf Buchten, Kaps und Häfen. Genau dieses taktile Küstenwissen ist es, das auch unsereins vertiefen kann, selbst wenn wir es bequemer haben.

Freiheit als gemeinsamer Kompass

Hayward paddelt nicht nur für sich, sondern sammelt Spenden für Surfers Against Sewage und Movember – zwei Organisationen, die auf ihre Weise für Sauberkeit und Fürsorge rund ums Meer stehen. Sein Projekt erinnert daran, warum viele von uns überhaupt unter Segel gehen: nicht wegen der Marinas und ihrer Infrastruktur, sondern wegen des Moments, in dem Wind und Wasser alles Weitere überflüssig machen.

Ich selbst erinnere mich an eine Nacht vor der Küste von Falmouth, in der wir in einer Bucht vor Anker lagen und ein einzelnes Paddelboot an uns vorbeitrieb – kein Licht, kein Geräusch außer dem rhythmischen Eintauchen des Paddels. In solchen Momenten begreift man, dass Freiheit auf dem Wasser nicht von der Größe des Rumpfes abhängt, sondern von der Frage, ob man bereit ist, sich auf die See einzulassen. Ian Haywards Umrundung ist genau diese Einladung – egal, ob man ein Paddel oder eine Pinne in der Hand hält.